Noch einmal gesehen am Samstag in der Cinedom-Spätvorstellung mit meiner müden Freundin und einem etwas weniger müden Freund.
"Super 8" atmet den Geist früher Spielberg-Filme wie "E.T." oder "Unheimliche Begegnung der dritten Art". Gerade die Kinderfiguren sind ebenso liebevoll ausgestaltet wie die in "E.T." (wobei Spielberg nie eine so hinreißendes Mädchen wie die von Elle Fanning gespielte Alice hinbekommen hat. Spielberg erzählt gerne konsequent aus der Perspektive von 10-12jährigen Jungs. Und so treten gleichaltrige Mädchen eher als nervig und hysterisch denn als hinreißend auf. Man erinnere sich etwa an das verzogene Gör aus "E.T.", das panische Angst vor Fröschen und um ihre sauber geschrubbten Lack-Schühchen hat. Alice ist deutlich tougher. Und Elle Fanning kann grlücklich sein, ihre erste große Rolle unter Abrams gespielt zu haben und nicht wie ihre ältere Schwester Dakota unter Spielberg. Die musste in "Krieg der Welten" nämlich auch nervig und hysterisch sein – das war sie allerdings sehr gut.)
Nicht nur die Charaktere auch die Filmbilder erinnern stark an Spielberg. Abrams benutzt wie der Altmeister oft buntes grelles Licht vor düsterer Kulisse und setzt gerne auf den Lense-Flare-Lichteffekt (das Licht reflektiert in der Linse, und es enstehen transparente Lichtstreifen und -punkte). Thematik, Charaktere, der Look und in Teilen auch die Musik (die spielt wohl nicht zufällig auf die Themen von "E.T". und "Close Encounters" an) sind eindeutige (und sehr gelungene) Verbeugungen vor Spielbergs Frühwerk. Da stellt sich die Frage, warum eine Sache nicht funktioniert, auf die man sich bei Spielberg früher immer verlassen konnte: Warum fließen im Finale von "Super 8" so wenig Tränen im Kinosaal? Warum bleibt die wohlige Gänsehaut aus, auf die einen Abrams zu Beginn des Films noch vorzubereiten scheint?
Dabei hat die Schlussszene genau die richtige Dosis Kitsch, die ein richtiger Tränenzieher braucht. Zum Großleinwand-Geigen-Teppich hält der von Joel Courtney gepsielte Junge Joe den Anhänger mit dem Bild seiner Toten Mutter in den Himmel, der magnetisch vom startenden Alien-Raumschiff angezogen wird. Tränen trefen in Joes Augen. Der Musikteppich entrollt sich weiter und… Joe lässt den Anhänger (und somit das Trauma, das der Tod der Mutter ausgelöst hat) los. Der Anhänger schwebt in den Himmel, lässt das Raumschiff starten, und Joe bleibt auf der Erde zurück – versöhnt mit seinem Vater. Raumschiff, überbordender aber keineswegs geschmackloser Kitsch, Vater-Sohn-Zusammenführung, orchestraler Musik... Spielbergiger geht es nicht. Nur bei Spielberg (das hat das sehr ähnliche Ende von "E.T." bewiesen) würde der ganze Kinosaal flennen. (Ja, selbst die Kerle würden heulen. So wie sie es damals getan haben, als Leonardo abgesoffen ist.)







