Donnerstag, 9. Juni 2011

Wie gestern spontan ein Autorennetzwerk entstand

Vor etwa zwei Wochen gab ich hier meine E-Mail-Adresse an. Und gestern passierte dann das:

Ich bekam eine E-Mail von einer Dame, die für Konstantin Neven DuMont arbeitet.

vielen Dank für Ihr Interesse an dem KNDM Projekt teilzunehmen. Über die zahlreichen Zuschriften haben wir uns sehr gefreut. KNDM hat den Anspruch kritisch, nachhaltig, direkt und meinungsbildend zu sein. Wir versuchen Menschen zu einer aktiven Teilnahme an Meinungsbildungsprozessen in Zeiten einer zunehmenden Politikverdrossenheit. Um Ihre Bewerbung schnellstmöglich zu bearbeiten haben wir eine Bitte an Sie:

Hier folgt nun der Aufruf, Bewerbungsunterlagen einzuschicken. Das Problem an der E-Mail (abgesehen von den Grammatikfehlern): Sie ging an alle raus, die sich auf kndm.de eingetragen hatten. Und zwar waren alle Empfänger-Mailadressen in der Empfänger-Adresszeile und nicht etwa unter "CC" oder "BCC" eingetragen, so dass jeder sehen konnte, wer seine Mitbewerber sind. Und schwupps - das Internet nahm wieder seine Dynamik auf, unter der KNDM schon einmal leiden musste.

Folgender (hier gekürzter und anonymisierter) E-Mail-Dialog brachte  mich gestern Nachmittag zum Schmunzeln.

Sehr geehrte Frau XXX, sehr geehrte Mitbewerberinnen und Mitbewerber, vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich den Anspruch von KNDM - kritisch, nachhaltig, direkt und meinungsbildend zu sein - vollumfänglich teile. Ich bin positiv beeindruckt von dem von Ihnen gewählten innovativen Ansatz, bereits in der Bewerbungsphase alle Interessentinnen und Interessenten untereinander zu vernetzen. So eröffnet sich für uns alle die Möglichkeit, gemeinsam miteinander ein optimal auf die Bedürfnisse von KNDM zugeschnittenes Angebot zu erstellen.

Der Ansatz ist: fantastisch! Man muss sich nur die Vorteile vergegenwärtigen: Das Bewerbungsprocedere ist hierdurch vollkommen unnötig geworden. Eine mutige Vorgehensweise, die ich ehrlich gesagt anderen Kollegen nicht vorenthalten möchte. Ich habe deshalb über Twitter gefragt, ob eventuell noch andere Interessierte auf die KDNM-Mailingliste wollen und über die Vorschläge Herr Dreschers diskutieren möchten.

auch ich freue mich, Sie alle bereits kennenlernen zu dürfen. Ich würde vorschlagen, dass wir gleich mit der Arbeit beginnen und - sobald uns mitgeteilt wurde, wie wir honoriert werden - unsere Artikel über diese Mailinglist austauschen und zu einem spannenden, innovativen und vor allem sehr schnellen Internet-Journalismus-Projekt zusammenzuschmelzen.

Ich wäre dafür, eine Facebook-Gruppe "KNDM Autorennetzwerk" zu gründen.

(So geschah es dann auch.)

Liebe Leute, Das mit dem nicht anonymen Verteiler war natürlich ein Fehler von meiner Seite - wie ich bereits heute schon mehrfach geschrieben habe. Da zur Zeit noch nicht klar ist wer auf welcher Position, für was arbeiten will und bereits schon Bemerkungen bezüglich des Datenschutzes geäußert wurden, würde ich vorschlagen, diese geschlossene Diskussion erst einmal zu beenden und erst dann fortzuführen, wenn alle beteiligten auch diesem Prozedere zugestimmt haben. Prinzipiell stimme ich aber offenen Diskussionen innerhalb einer Redaktion zu. In diesem Fall war es jedoch nicht geplant. Ich bitte um Entschuldigung. Viele Grüße, XXX


ich muss ja gestehen, dass ich aus dem Grinsen kaum noch herauskomme! Und bin gespannt, was aus dem KNDM-Club (für: "Kenne Nicht Diese Mailfunktion") wird.

Jede Interaktion hat Folgen... Die Entschuldigung nehme ich gerne an, da müssen Sie gar nicht bitten. Trotz der Anrede 'Leute', die mir zusammen mit dem Inhalt Ihrer Mail sehr teldafaxisch kommt. Schön, dass Sie offenen Diskussionen innerhalb einer Redaktion prinzipiell zustimmen - dann macht Ihnen das außerhalb einer Redaktion bestimmt auch nichts aus und wir müssen nicht die Zustimmungen von 'allen beteiligten' [sic] für eine geschlossene Diskussion abwarten.


Bin vollends begeistert von diesem spontanen "Bewerbernetzerk" und dem, was aus der Reply All-Funktion gemacht wird - Ihr seid großartig, ihr Menschen. Bloggt das jemand?


Gebloggt habe ich es jetzt. Und es ist ja auch eigentlich keine allzu wilde Sache, immerhin konnte man so auf unkonventionelle Art und Weise nette Kollegen aus dem ganzen Land kennen lernen.
Ich bin nur nicht sicher, wer sich bei dem Start-Up-Unternehmen noch bewerben will. Wie unprofessionell hier mit Daten umgegangen wurde, ist schon ziemlich peinlich.

(Auch wenn die Reaktion der Betroffenen wahrscheinlich nicht so stark ausgefallen wäre, wenn es sich nicht um KNDM gehandelt hätte. Aber gerade dann hätte man doch aufpassen müssen, einen angemessenen E-Mail-Verkehr zu starten.)

Kommentare:

  1. Eine Mitarbeiterin hat einen bedauerlichen Fehler gemacht. Wir sind uns darüber einig, dass so ein peinlicher Fauxpas in Zukunft nicht mehr passieren darf. Selbstverständlich hat sich die Mitarbeiterin bei den circa 60 betroffenen E-Mail-Empfängern für ihr Verhalten bereits entschuldigt. Da man E-Mails technisch immer noch nicht zurückrufen kann, können wir im Nachhinein leider nicht mehr tun.

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  2. Natürlich nicht. Es wurde ja auch niemandem Schaden zugefügt. Und es wird ja sicher nicht noch einmal passieren. Aber ich finde den spontanen Austausch, der zwischen den Betroffenen entstanden ist, trotzdem sehr bemerkenswert und würdig, protokolliert zu werden. So etwas kann nur im Internet passieren.

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  3. Das Projekt scheint alle Erwartungen zu übertreffen. Endlich gibt es wieder was zum Lachen in Köln. :-)

    LG,
    treets

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  4. Liebe Leute, auch wenn dieser Fauxpas passiert ist, bin ich dennoch der festen Überzeugung, dass Konstantin Neven Dumont, durch seine aussergewöhnliche Art als Mensch, viele Leser und Leserinnen in seinen Bann ziehen wird. Aller Anfang ist schwer und es spricht für ihn, zu seinen Fehlern zu stehen.
    Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!
    Ich wünsche ihm viel Erfolg und die Kraft, sich nicht unter kriegen zu lassen.
    Love & Peace

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  5. Das mag ja alles richtig sein. Aber ich sehe mich weder in einem Glashaus sitzen noch mit Steinen werfen.

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