Freitag, 31. Dezember 2010

Klitzekleiner Jahresrückblick

Die lustigsten, absurdesten und unwahrsceinlichsten Google-Suchen, über die 2010 dieses Blog erreicht wurde:

andrea sawatzki botox
andrea sawatzki echte haare
andrea sawatzki playboy

fragen zu integrationsdebatte
лихтенштейн рой

bilder mit kondom am penis
chat strafverfolgung
ein auge driftet weg

in bedburg wurde mal ein fernsehfilm gedreht
kleine bilder aus kommas und punkten zug
konservativ+twinset

rassenschande kanacken
waffen kiosk chlodwigplatz
weihachtscshichten, sanitäter

Die Suchbegriffe wurden ermittelt über Google Analytics. Allen Blog-Lesern (auch denen, die Google Analytics vielleicht nicht ermittelt hat) wünsche ich einen guten Rutsch!

Vielen Dank für euer bisheriges Leseverhalten! Hoffe, das Blog wird auch im nächsten Jahr so brav besucht wie in seinen ersten sechs Monaten!

Dienstag, 30. November 2010

Filmische Gedankenstütze



Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Gesehen im: Metropolis, Köln, 23. November, 22 Uhr
Gesehen mit: Einer Die-Romane-Geleserin, drei Die-Romane-Nicht-Gelesern

Mindestens drei Dinge im neuen Harry Potter-Film sind unlogisch oder wirken willkürlich:

Am Ende des letzten Films brennt das Haus der Weasleys ab. Im neuen Film steht es wieder, so als sei nie etwas geschehen. Klar, wahrscheinlich können Zauberer mit wenigen Zaubersprüchen ihre Häuser wieder zurechthexen. Aber warum macht sich dann jemand die Mühe, die Häuser abzufackeln?

Harry wird von den bösesten Zauberern der ganzen Magierwelt gejagt und muss fliehen. Warum nötigt sein bester Freund ihn, auf einem sehr auffälligen Fest mit ihm zu feiern, statt zu fliehen? Ist Ron in Wirklichkeit ein dunkler Zauberschüler, der für Voldemort und seine todessenden Kollegen eine Schlachtplatte anrichten will? Denn natürlich wird das Fest sofort von den Bösen gesprengt.

Wo kommt das durchsichtige Reh her, dass Harry plötzlich zum Zauberschwert führt, das er fast den gesamten Film lang sucht? Wäre das Tier am Anfang des Films schon aufgetaucht, wäre alles viel schneller gegangen und man hätte darauf verzichten können, die Handlung auf zwei Filme aufzuteilen.


Der aktuelle Harry Potter Film ist in vielen anderen Punkten absolut nicht stimmig. (Wann genau können sich die Zauberschüler vom Fleck weg beamen? Offensichtlich immer nur dann nicht, wenn Autor und Regisseur wollen, dass sie gefangen genommen werden.)

Trotzdem wirkt der Film  nicht wie eine unlogische Aneinanderreihung von Szenen, weil er von professionellen Ausstattern, Maskenbildnern, Kameraleuten und Schauspielern mit viel Geld aufgehübscht wurde. Schicke Bilder lenken von dramaturgischen Grobheiten ab. Man merkt nicht unbedingt sofort, dass die Story kaum einen Sinn ergibt. Wohl auch, weil die meisten Leute im Publikum die Handlungslücken mit Informationen auffüllen, die sie aus den Romanen haben.

Ähnlich ging es mir auch schon mit den letzten Potter-Filmen. Kann es sein, dass schon lange nicht mehr vorgesehen ist, die Filme auch für Leute nachvollziehbar zu machen, die die Bücher nicht gelesen haben? Und dass sie eher als Gedankenstützen für Fans der Romane gedacht sind, die sich im Kino dann nicht von einer guten Story fesseln lassen sondern sich eher an eine gute Story erinnern, die sie vor einer Weile mal gelesen haben?


Jetzt weiß ich auch, was die seltsamen orangen Flecken auf dem Plakat zu bedeuten haben. Wahrscheinlich stellen sie die Story dar – ganz nach dem Motto: "Wir bieten euch schöne Bilder, über die wie ein bisschen Handlung gesprenkelt haben."

Sonntag, 28. November 2010

Sonntagsbüdchen (16)

Durch die Zauberkraft der Weihnachtszeit wird sich dieses Blog ab Mittwoch in einen Adventskalender verwandeln. Im Dezember wird es daher keinen Büdchencontent mehr geben, was leider bedeutet, dass es heute das letzte Sonntagsbüdchen des Jahres gibt.

Diesmal gehen wir in in ein Büdchen hinein – und zwar in eines am Mediapark, wo es einen Fernseher gibt, der kleiner als eine Zigarettenschachtel ist.


Keine Sorge. Die Sonntagsbüdchen kommen im Januar wieder. Und wenn alles nach Plan läuft sogar größer, schillernder und besser...

Donnerstag, 25. November 2010

Fan vom 1. FC Tatooine

Ich habe schon oft mitbekommen, dass werdende Väter sich sehr darum sorgen, ihr Kind könnte Fan vom falschen Fußballverein werden (also von dem, den der Vater nicht mag). Die Fanshops der Vereine haben gut vorgesorgt und bieten meistens Babyklamotten an, um den Kids schon früh mit Mini-Trikots oder (wenn es um den FC Köln geht) Geißbock-Rasseln die kleinen unschuldigen Hirne durchzuwaschen.

Ich hatte als Baby solche Sachen nicht. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich nie Fan eines Fußballvereins geworden bin. Stattdessen wurde ich Star Wars-Fan. Und zwar über Bande. Zunächst war ich fasziniert von "Kampfstern Galaktika", dann habe ich "Das Imperium schlägt zurück" auf Französisch gesehen und geglaubt, es wäre eine unglaublich gute Folge von "Kampfstern Galaktika". Erst ein paar Jahre später entdeckte ich Star Wars richtig und wurde ein so großer Fan, dass ich einen 350 Seiten langen Star Wars-Roman schrieb.

Sollte ich also einmal Vater werden, wird es mir wie diesen Vätern gehen:



Zum Glück lässt mich Lucasfilm nicht im Stich und stellt mir viel Gehirnwäsche-Material zur Verfügung.

Montag, 22. November 2010

Totensonntag ganz lebendig (+ Sonntagsbüdchen Nr. 15)

Am Totensonntag hatten gestern erstaunlich viele Büdchen in Köln geschlossen. Auch das hier im Blog. Heute macht erscheint es dafür ausnahmsweise am Montag. Es ist ein sehr lebendiges Büdchen aus der Südstadt, das einen schönen Kontrast zum Totensonntag herstellt.


Den Totensonntag habe ich mit einem Konzert dieses wunderbaren Chors aus Köln verbracht. Es fand statt in der Kirche St. Maria vom Frieden, die zu einem Kloster gehört, in dem weltabgewandte Nonnen leben. Und weltabgewandt ist durchaus wörtlich zu verstehen. Kloster und Kirche liegen so versteckt, dass bei Street View nicht einmal eine Verpixelung nötig ist, um beides von der Straße aus nicht zu sehen.


Das ist schade. Denn die Kiche St. Maria vom Frieden ist wirklich wunderschön.


Der Chor sang eine die Bach-Kantate "Ich hatte viel Bekümmernis", die mit Schlagwörtern wie "Seufzer, Tränen, Kummer, Not, Furcht, Jammer und Schmerz" ihrem Namen sehr gerecht wird und ausgezeichnet zu den besonders blutigen Kirchenfiguren in St. Maria vom Frieden passte. (Aber selbstverständlich mit "Alles wird wieder gut, bald ist ja Advent"-Trompetengeschmetter endete.)


Hervorheben möchte ich folgenden gesungenen Dialog aus der Kantate, der bei meinen Sitznachbarinnen für Erheiterung sorgte. Ein Tenor singt "Die Seele", ein Bassist singt "Jesus". Aus heutiger Sicht hat der Dialog tatsächlich eine gewisse Komik.

Seele: Komm mein Jesus und erquicke.
Jesus: Ja, ich kommeund erquicke.
Seele: Und erfreu mit deinem Blicke.
Jesus: Dich mit meinem Gnadenblicke.
Seele: Diese Seele...
Jesus: Deine Seele...
Seele: ...die soll sterben...
Jesus: ...die soll leben...
Seele: ...und nicht leben...
Jesus: ...und nicht sterben...
...
Seele: Ich muss stets in Kummer schweben.
Jesus: Heil! Durch diesen Saft der Reben.

In einer anschließendenden Diskussion waren wir uns nicht einig, ob Jesus dazu aufruft, Kummer im Wein zu ertränken.

Dass meine Sitznachbarinnen allerdings "Hurz!" riefen, als der Chor "Das Lamm" sang, ging dann doch entschieden zu weit.

Dienstag, 16. November 2010

Bildlich gesprochen

Gesehen im: Cinedom, Köln, 29. Oktober, 23 Uhr
Gesehen mit: Kumpel, Bier und Lust auf Trash

Piranha 3D, der Trashstreifen vom recht überschätzten Horror-Filmer Alexandre Aja, ist zu trashig, um ernsthaft kritisiert werden zu können. Er ist aber leider nicht trashig genug, um versehentlich gut zu sein.
Ich versuche einfach, die Essenz des Films mit dieser Collage darzustellen:



Um die Bilder 3D zu sehen, müsst ihr schielen. Verdreht die Augen so, dass sich das linke über das rechte Bild schiebt. Ihr könnt auch mit der Nasenspitze den Computerbildschirm berühren, die Augen entspannen und dann langsam den Kopf vom Bildschirm wegbewegen, ohne die Augen zu bewegen. Vielleicht kennt ihr das Prinzip noch von den Büchern "Das Magische Auge", die in den 90er Jahren mal beliebte Geschenke für Leute waren, bei denen man nicht wusste, was man ihnen schenken soll.

Samstag, 13. November 2010

11 mal 11.11.



1. "Da gewöhnste dich dran, das ist Karneval. Dat jehört dazu."

2. Verbandskasten im Auto gefunden. "Ich geh als Sanitäter."

3. Kein Auto. Also Mönch.

4. "Wat? Zwei Euro Pfand?"

5. "Boah, ich hab voll Bock auffn Döner."

6. Höhöhö, wir sind nicht schwul, darum tun wir so!

7. "Yeah! Wir ham den Kölschen Klüngel und wir ham..."

8. Spielen die hier auch mal Karnevalsmusik, oder wat?

9. Matthias Reim ist ja doch irgendwie ein guter Musiker...

10. Wieder Viva Colonia? Ich muss langsam gehen...

11. "Ich liebe dich,... ähem... Schatz."

Dienstag, 9. November 2010

Was man im neuen Rautenstrauch-Joest-Museum u.a. lernen kann


Lektion 1: Das spektakulärste Stück einer Ausstellung sollte dort stehen, wo es auch die Leute sehen können, die noch keinen Eintritt gezahlt haben.


Lektion 2: Die asiatische Version der Augsburger Puppenkiste ist nach wie vor schwarz-weiß.


Lektion 3: Mittlerweile ist es ein absolutes Tabu, das Wort "Negerlein" zu schreiben, auch wenn sich der Text auf ein Exponat (ein Kinderbuch) bezieht, bei dem das Wort groß und breit drauf steht.


Lektion 4: Die inneren Werte zählen.


 Lektion 5: Die kunstvolle Darstellung von Brüsten kommt auch ohne Silikon aus und muss nicht zwangsläufig erotisch sein.


Lektion 6: Die verrücktesten Kondome (oder krummsten Penisse) gibt es in Neuginea.


Lektion 7: Nirgendwo geht es auf Beerdigungen so bunt zu wie in Indien. Die Darstellung eines indischen Karnevals würde deutsche Augen also erblinden lassen.


Lektion 8: Gene Simmons' Nemesis ist eine chinesische Hexe.

Weitere Lektionen gibt es hier.

Sonntag, 7. November 2010

Sonntagsbüdchen (14)

Kleines Rätsel: Bei diesem Büdchen in der Poststraße ist das Innere außen und das Äußere innen.




Lösung: Außen gibt es das "Hätz" (Herz), das beim Menschen innen ist. Im Büdchen stehen zwei "Fööss" (Füße, bzw. die beiden "Bläck Fööss"-Mitglieder Hartmut Priess und Bömmel Lückerath), und Füße sind ja beim Menschen... Na, das muss ich ja nun nicht weiter erklären, nehme ich an.

Die Fotos sind ausnahmsweise nicht von mir sondern von einer Meister-Fotografin, für die ich ausnahmsweise drei Emocons ins Blog haue: <3 :* <3

Mittwoch, 3. November 2010

Filmkunst

Um die Dämonen vom letzten Sonntag zu vertreiben, tapeziere ich das Blog mit ein paar wunderschönen Filmpostern von Olly Moss. Es gab tatsächlich mal Zeiten, in denen Plakatmaler auf Gerüsten lagen und Filmplakate an die Kinos zeichneten. (Und die sind nicht einmal so lange her. Ich weiß noch, wie ich als Kind staunend in Aachen beobachtet habe, wie ein Maler einen überdimensionalen Batman auf das Bavaria-Kino malte. Gut, es ist doch schon lange her. Der Batman-Film ist von 1989 und das Bavaria-Kino ist schon seit vielen Jahren ein Esprit-Store. Manchmal vergisst man eben, wie alt man in Wirklichkeit schon ist.)

Werke wie diese hier von Moss zeigen auf jeden Fall, dass Plakate Kunstwerke und mehr als Marketing sein können. Und sie zeigen, dass es schön wäre, wenn es wieder Plakatmaler geben würde.






Das letzte Poster spielt übrigens auf die unglaublichste aller Star Trek-Episoden an, in der es u.a. diese Szene gibt:



Und als Star Wars-Fan ist es natürlich meine Pflicht, den Star Trek-Content in diesem Post sofort zu neutralisieren:

Sonntag, 31. Oktober 2010

Sonntagsbüdchen (13)

Das heutige Sonntagsbüdchen ist wieder ein ganz spezielles. Es kommt aus Köln:


Nachtrag: Ich weiß nicht, was hier los ist, Michael Jackson erscheint? Wo ist das Büdchenfoto?


Brennende Barrikaden rund um den Ubhf-Vineta-Straße, Greifenhagener Straße muss dicht gemacht werden !!!


Nachtrag 2: Das habe ich nicht geschrieben! Wer pfuscht mir hier in den Blog rein? Bei Menschen, die mehr als zweimal sonderbehandelt werden, wird die Strafverfolgung nach spätestens zehn Jahren eingestellt.  Ein Hacker?  Ich will nur den Mann mit eigenen Augen sehen, der mir den schlimmsten Alptraum meines Lebens eingebracht hat. Ich will mich überzeugen, dass dieser Kerl tatsächlich nur ein zierliches Männchen mit einem jungenhaften Gesicht ist, dem man zunächst alles zutraut, nur nicht, dass er sich an einem 13-jährigen Mädchen vergreift. Aber das Geschriebene kommt mir doch seltsam vertraut vor...


Obwohl ich natürlich nicht gerne unpfrofessionell auftrete, habe ich mein Telefoninterview mit Bela B. heute Nachmittag leider genauso begonnen. Das ist eben ein Reflex bei Menschen, die man seit seiner frühen Jugend irgendwo in ein Paralleluniversum reingedacht hat, von dem man eigentlich nicht Teil sondern immer mal wieder nur Zaungast ist. Ein Universum, von dem man immer mal wieder geträumt hat, dass man es irgendwann betreten darf. Obwohl ich meine, nicht zu Fan-Hysterien zu neigen, bin ich nervös, wenn ich die ärzte interviewen soll – ähnlich würde es mir wohl nur bei Steven Spielberg oder Stephen King gehen.

Ach, wahrscheinlich muss ich ehrlich zu mir selbst sein und zugeben, dass ich doch zur Fan-Hysterie neige. Wie sonst hätte während des Interviews folgender Dialog zu stande kommen können: Bela erzählt gerade, dass seine neue Platte einen Platz hinter KISS und einen Platz vor Udo Jürgens in den Charts eingestiegen ist. Er sagt: “Gute Gesellschaft, KISS habe ich als Jugendlicher gehört, während meine Eltern Udo Jürgens gehört haben”, ich werfe eilig ein: “Außerdem hast du Udo Jürgens mal in einem Fahrstuhl getroffen! Das steht in eurer Band-Biografie!” Belas Antwort: “Meine Güte, du hast dich ja akademisch mit uns auseinandergesetzt.”


Nachtrag 3: Ich erkenne diesen Post. Ich habe ihn vor über einem Jahr geschrieben. Es scheint, als seien untonte Posts vom Blog www.rot-auf-weiss.de zurückgekehrt, den ich vor wenigen Monaten beerdigt habe. Ich.... AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHH!!!

ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GEBLOGGT HAST!

Freitag, 29. Oktober 2010

Drei Fragen zur Integrationsdebatte



1. Wenn die Kanzlerin sagt, dass "Multi-Kulti gescheitert" sei, ist ihr dann eigentlich klar, dass diese Sätze Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten sind? Sollte sie daher als deutsche Kanzlerin mit solchen Formulierungen nicht etwas vorsichtiger sein?

2. Wenn ich in zahlreichen Leserbriefen, die bei meinem Ex-Arbeitgeber Kölnische Rundschau ankommen, lese, dass sich die Deutschen im Ausland hervorragend integrieren würden und das daher auch von den hiesigen Ausländern erwarten können, meinen sie dann auch die Deutschen, die ich in Buenos Aires kennen gelernt habe? Die dort in Vierteln leben, die von Zäunen umgeben sind und von Sicherheitsleuten bewacht werden? Die in Argentinien deutsche Zeitungen, deutsche Radiosender und deutsche TV-Kanäle haben? Die ihre Kinder auf Elite-Schulen schicken? Die in ihrem Clubraum Flaggen aus dem Kaiserreich hängen haben?

3. Wie fühle ich mich als frisch in Deutschland angekommener Ausländer, wenn ich zur Kölner Stadtverwaltung muss und die Eingangshalle wie ein Staatspalast aussieht?


Eine Halle, in der der Boden steil nach oben führt, so dass ich automatisch eine Bettelhaltung einnehmen muss, um voran zu kommen. Und was denke ich dann, wenn sich der Fahrstuhl öffnet und neben deutschen Anzugträgern ein Ausländer aussteigt, der Putzeimer trägt?


Tolle Beitäge zum Thema gibt es im wunderbaren Blog von Kübra Yücel.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Die Folter, wenn man trotz Müdigkeit einen Film ansehen will

1. Man hat die Beine hochgelegt, die Raumtemperatur sicherheitshalber etwas runtergefahren und ein koffeinhaltiges Getränk bereitgestellt. Man spürt, dass man bald müde werden wird, doch man ist sich sicher, dass die Müdigkeit nicht gewinnen wird. Diesmal nicht!

2. Die Müdigkeit beginnt, sich breit zu machen, doch sie hat noch nicht die Augen becirct. Stattdessen wächst die Sehnsucht, sich eine Decke zu holen oder sich wenigstens auf die Couch zu legen. Man gibt dem Drang nicht nach, verpasst aber erste Dialogzeilen des Films, weil man sich mehr auf den skrupellosen Gegner im eigenen Körper als auf die Handlung konzentriert.

3. Man trinkt eine große Menge des koffeinhaltigen Getränks in einem Zug aus, in der Hoffnung, dass die Konzentration wieder zurück kommt. Tatsächlich kommt sie kurz zurück. Für maximal eine Minute, wie sich herausstellt, denn plötzlich tritt Punkt Vier ein:

4. Das Fernsehenbild verdoppelt sich, weil die Augen beginnen, sie zu entspannen. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem man weiß, dass man nicht mehr gewinnen wird. Trotzdem versucht man, der Müdigkeit ein Schnippchen zu schlagen und versucht, krampfhaft, die Augen unter Kontrolle zu bringen, damit sich beide Fernsehbilder wieder überlagern. Das ist so anstrengend, dass man vom Film nichts mehr mitbekommt. Aber das macht in dem Moment nichts. Lieber eine Minute verpassen, um danach wieder gut gucken zu können, als jetzt einzunicken.

5. Es hilft nichts. Das Fernsehenbild driftet immer wieder in zwei Einzelbilder auseinander. Und die Kampfbereitschaft lässt nach. Jetzt versucht man eine neue Strategie: Man konzentriert sich einfach auf eines der beiden Bilder und ignoriert das andere. Ist nicht so leicht. Denn immer das Bild, auf das man sich konzentrieren will, driftet weg. Selbst wenn man nur mit einem Auge hinsieht.

6. Das augenrollende "Dem-Bild-Hinterherjagen" ermüdet so stark, dass die Augen zu fallen. Jetzt hilft nur noch zen-meisterliche Willensstärke. Krampfhaft hält man seine Augen auf. Vom Film bekommt man schon lange nichts mehr mit. Doch das spielt kaum noch eine Rolle. Es geht nur noch darum, die Müdigkeit nicht siegen zu lassen.

7. Schließlich gibt man den Kampf auf und versucht sich damit zufrieden zu geben, nur noch den Ton des Films zu hören. Hörspiele sind schließlich auch etwas Schönes. Und es gibt genug blinde Menschen, für die jede Filmerfahrung genau so ist.

8. Man wacht genau in der Sekunde auf, in der der Abspann des Films beginnt. Überrascht stellt man fest, dass man sich hingelegt hat. Kurz glaubt man auch, vom Film nichts verpasst zu haben und wundert sich, warum das Ende so abrupt kommt. Dann wird einem klar, dass man wieder einmal gegen die Müdigkeit verloren hat.


Und jetzt erkläre mir bitte jemand vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen, warum man genau diese Tortur zugemutet bekam, wenn man die Filme eines kürzlich verstorbenen wichtigen deutschen Film- und Theaterregisseurs ansehen wollte.

Gehört solche Folter auch zum Kulturauftrag? Oder warum wurden die Filme von Christoph Schlingensief auf 3Sat erst ab 0.55 Uhr ausgestrahlt? Und ist es nicht zynisch, einen Film, den Schlingensief sich zu seinem 50. Geburtstag gewünscht hat, erst um 4.40 Uhr zu zeigen?

Ich hatte von der Filmnacht jedenfalls nicht viel. Punkt 8 setzte bei mir schon um 2.30 Uhr ein.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Nerds.

Filme über picklige Kids, die sich für Comics und Computer interessieren und bei Mädchen nicht landen, scheinen salonfähig zu werden. Zur Zeit läuft mit "The Social Network" ein Nerdfilm für Nichtnerds und mit "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ein Nerdfilm für Nerds im Kino.


The Social Network
Gesehen im: Cinedom, Köln, 9. Oktober, 20 Uhr
Gesehen mit: Einer – zum Film passend – über Facebook gefundenen Begleitung.


Ein junger Programmierer erfindet fast zufällig ein Computerprogramm, mit dem man sich unterinenander vernetzen kann. Sein Kumpel gibt ihm Geld, um das Programm zu vermarkten. Das will er mit Hilfe von Werbung tun. Der junge Programmierer hält sich lieber an den Rat eines hippen Internet-Unternehmers und lässt sein frisch programmiertes Netzwerk erst wachsen, bevor er es mit Werbung füllt. Und dann sind da noch zwei Schnösel, die behaupten, die eigentlichen Erfinder des Programms zu sein, sonst aber nicht viel machen.

Auf der Handlungsebene hat David Finchers Facebook-Entstehungs-Mythologisierung kaum mehr zu bieten. Umso erstaunlicher ist es, dass die Filmemacher es geschafft haben, rund um diese eigentlich sehr langweilige Geschichte ein amüsantes Porträt der Internet-Jungunternehmer der letzten Jahre zu entwerfen. Spaß macht der Film auf jeden Fall.

Doch ich hatte das Gefühl, dass der Film es nicht wirklich schafft, seine Hauptfigur zu verstehen. Beziehungsweise nicht weiß, was er von ihr halten soll.  Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist nicht nett, aber auch nicht unnett, er ist nicht cool aber auch nicht wirklich uncool, er hat einerseits Angst vor Berührung, ist aber schnellem drckigen Toilettensex nicht abgeneigt. Er geht nicht auf Partys, lässt aber auch mal die Sau raus. Mit Mädchen kann er nichts anfangen, doch er datet eine Campus-Schönheit.



Ich hatte nach dem Film keine Ahnung, was mir über Zuckerberg erzählt werden sollte. In einigen Gesprächen und Kritiken habe ich das Argument gehört, dass genau das die Stärke des Films ist. Zuckerberg sei ein Autist, der nicht zu fassen sei, weil er eben nicht sozialfähig sei. Das mag für viele Leute funktionieren, für mich tut es das nicht. In "Social Network" wird im Prinzip erzählt, dass man Zuckerberg so oder so sehen kann, dass man Facebook ablehnen oder Fan von dem Netzwerk sein kann. Aber das weiß man doch auch ohne den Film, oder?

So ist "Social Network" nur ein amüsanter Streifen, der sehr harmlos an einem Internet-Gründermythos mitstrickt. Vielleicht ist mehr auch gar nicht machbar, weil hinter dem Mythos eben doch viel unspektakulärere Ereignisse stehen, als man glauben könnte.


Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
Gesehen im: Cinedom, Köln, 21. Oktober, 20 Uhr
Gesehen mit: Dem tapferen Mitplotter zur Belohnung nach tapferem Plotten


Offensichtlich sympathisieren die Filmemacher der Filadaption des Comics "Scott Pilgrim" so sehr mit Nerds, dass sie nicht einmal die Pickel der Hauptdarsteller verbergen wollten, um so Identifikationsfläche für die Zielgruppe zu schaffen. Der Film wurde offensichtlich digital in Hochauflösung gedreht, die Maskenbildner haben allerdings alle Gesichter klassisch geschminkt, so dass in der hohen Auflösung jede Hautunreinheit und jede Abdeckstift-Spur zu sehen ist.

Es geht um einen schüchternen – auch irgendwie unsymapthischen – Jungen, der die sieben Ex-Freunde (ähem, -Lover – das ist im Film noch wichtig) seiner Traumfrau besiegen muss, um sie zu erobern. Ich finde die Idee großartig: Eine romantische Coming-of-Age-Komödie erzählt in einer Videospieldramaturgie. Das ist ganz nah an der Lebenswelt allers Nerds dran, die nach 1977 geboren wurden.



Doch neben der Videospiel-Dramaturgie hat der Film nicht viel zu bieten. Oberflächlich erzählte Figuren (die im Comic deutlich weniger oberflächlich erscheinen, was wieder beweist, dass sich Comics nicht unbedingt 1:1 auf Leinwände werfen lassen) prügeln sich knapp zwei Stunden lang. Die Liebesgeschichte ist unglaubwürdig und geht nicht zu Herzen, der Film hat nicht den geringsten Tiefgang. Und das, obwohl er vom gleichen Regisseur ist wie "Shaun of the Dead" ist, dem nerdtauglichen Liebesfilm, in dem Zombies in eine Romantic-Comedy einfallen.

Wirklich überzeugt haben mich die Kinonerds also nicht. Ich wünschte, Kevin Smith würde zur alten Stärke zurückfinden und wieder großartige Nerd-Huldigungen wie diese hier produzieren:



Sonntagsbüdchen (12)

Da im Blog in letzter Zeit traurig wenig los war, gibt es auch das traurigste Sonntagsbüdchen.

Arbeitsamt, Klettenberg

Samstag, 23. Oktober 2010

Überbrückungspost

Eine Regel in diesem Blog heißt: Sonntagsbüdchen darf nicht auf Sonntagsbüdchen folgen. Und darum gibt es heute einen Überbrückungspost. Ab nächster Woche wird es hier wieder etwas bunter - versprochen.

Und was könnte zu einem Überbrückungspost besser passen als meine Lieblings-Warteschleifenmusik.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Sonntagsbüdchen (11)

Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Dieses Büdchen in der Kyffhäuserstraße hat das einmalige Konzept, zu jeder Jahreszeit geöffnet zu haben. Dafür steht es sogar mit seinem Namen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Mitten in der Stadt (3)


Schwarzer Elefant, Gürzenichstraße

Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Nä wat is dat schön, nä, wat es dat schön.
Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Dat es esu schön, dat es wunderschön!

Wenn de rin küss, siehste die Kamele:
Nä, wat sin die gross, nä, wat sin die gross.
Un die Pukkele op ihrem Rögge,
Die sin esu gross, die sin unwahrscheinlich gross!

Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Nä wat is dat schön, nä, wat es dat schön.
Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Dat es esu schön, dat es wunderschön!

Wigger durch, do sin die Elefante.
Nä, wat sin die deck, nä, wat sin die deck.
Un beluhr mer dänne ens ihr Quante,
Die sin esu deck, die sin unwahrscheinlich deck!

Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Nä wat is dat schön, nä, wat es dat schön.
Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Dat es esu schön, dat es wunderschön!

Janz am Äng, do kütt mer zu de Aape.
Nä, wat sin dat vell, nä, wat sin dat vell.
Die sieht mer der janzen Daag römhöppe,
Un bei däne mäht jo jeder, wat e well!

Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Nä wat is dat schön, nä, wat es dat schön.
Ene Besuch im Zoo, oh, oh, oh, oh,
Dat es esu schön, dat es wunderschön!
Dat es wunderschön, dat es wunderschön...

Sonntag, 10. Oktober 2010

Sonntagsbüdchen (10)

Das 10. Sonntagsbüdchen muss natürlich ein besonderes sein. Ich habe an der Berrenrather Straße ein sehr klassisches entdeckt, das von einer äußerst klassischen Rundschau-Werbung geziert wird. (Sowieso ist die Berrenrather Straße das pure Büdchen-Paradies - sie wird in nächster Zeit noch öfter berücksichtigt werden.)

Freitag, 8. Oktober 2010

Kann das Fernsehen sich noch im Spiegel ansehen?

Wegen meines Umzugs musste 0,2 ein kleines Schläfchen halten. Das Blog wacht auf mit sehr viel Wut im Bauch:
 „Die beschlossenen Neuerungen betreffen die Art der Verleihung ebenso wie die Kategorien des Fernsehpreises. Das Fernsehen sieht heute anders aus als bei Gründung des Preises 1999. Diese Entwicklung muss der Preis widerspiegeln.”
Das sagt Monika Piel, die diesjährige Vorsitzende der Stifter des Deutschen Fernsehpreises und natürlich Intendantin des WDR.

Eine sehr entlarvende (aber leider nicht mehr erstaunliche) Aussage einer Fernsehmacherin. Der Fernsehpreis wird morgen verliehen, allerdings nicht mehr an Drehbuchautoren, Regisseure oder Kameraleute - ausgezeichnet werden nur noch Schauspielerinnen und Schauspieler und die Fernsehformate selbst. Den Ehrenpreis soll die Deutsche Fußballnationalmannschaft bekommen.

Wie sieht das Fernsehen somit also heute aus? Es braucht keine professionellen Drehbuchautoren mehr, keine Regisseure oder Kameraleute? Es gibt keine schillernden Gestalten mehr, die es sich mit dem Ehrenpreis auszuzeichnen lohnt und muss daher auf Sportler zurückgreifen, die auf dem Fußballfeld garantiert nicht in erster Linie daran gedacht haben, gutes Fernsehen zu schaffen?

Doch es gibt gute Drehbuchautoren, es gibt gute Regisseure, es gibt gute Kameraleute, es gibt auch talentierte Personen, die das Fernsehen zu Persönlichkeiten aufbauen könnte. Das Fernsehen ist nur nicht mehr an ihnen interessiert. Zum Fernsehpreis werden nur noch Persönlichkeiten wie Schauspieler und Sportler präsentiert, von denen die Fernsehmacher glauben, dass das Publikum sie sehen will. Klar, eine Fußballnationalmannschaft bringt mehr Quote als unbekannte Autoren.

Jetzt kann man sagen, dass ja noch Filme und Serien auf der Nominierungsliste stehen und den Preis gewinnen können. Doch es werden nicht mehr die Macher selbst ausgezeichnet. Die müssen hinter dem Format zurückstehen und bekommen signalisiert, dass sie unwichtiger als ihr eigenes Werk sind.

Somit ist es den Fernsehmachern bei ihrem eigenen Preis wichtiger, Quote zu schaffen, als Talente auszuzeichnen.

Wenn Frau Piel sagt, der Fernshpreis muss die Entwicklung des Fernsehens widerspiegeln - ist ihr dann auch klar, dass sie selbst für diese Entwicklung mitverantwortlich ist? Erkennt sie überhaupt, dass es keine positive sondern eine höchst frustrierende Entwicklung ist?

Dienstag, 28. September 2010

Zum Teufel mit Flanders!


Die 20. Staffel von den Simpsons ist jetzt auf DVD erschienen. Gleichzeitig ist es die Staffel, die den 20. Geburtstag der Familie feiert. Schon erstaunlich: Die Serie kam raus, als ich 10 war. Sie hat einen Teil meiner Kindheit begleitet, meine gesamte Pubertät und wird immer noch produziert, wenn ich fast 30 Jahre alt bin. Das heißt, ich gehöre zur ersten Generation Mensch, deren Alltag und Lebensrealität in einer Comic-Parallelwelt kontinuierlich parodiert und widergespiegelt wird.

Und obwohl die Serie lange nicht mehr so lustig wie am Anfang ist, wünsche ich mir fast, dass sie noch bis zu meinem Tod und darüber hinaus weiterproduziert wird. Denn ohne diesen Comic-Spiegel würde doch etwas für mich und meine Generation (und vielleicht auch für die Generationen danach) fehlen. 

Immer wenn ich mit Freunden zusammensitze - und es müssen nicht einmal immer die selben sein - werden mindestens einmal die Simpsons thematisiert. Das kann doch nicht nur an den guten Gags liegen, oder?


Vor ein paar Monaten habe ich mal meine persönliche Simpsons-Analyse für die Kölnische Rundschau aufgeschrieben. Da diese Zeitung aber nur von Generationen über meiner gelesen wird, halte ich es für klug, die Analyse in diesen Blog rüberzuretten:

Im und vor dem Fernseher

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Bei allen popkulturellen Anspielungen hat die Serie „Die Simpsons“ eigentlich nur eine zentrale Aussage: Das Fernsehgerät ist das Lagerfeuer von heute. Wie die Höhlenmenschen, die ihre Sippschaft ums Feuer versammelten, setzt sich die Sippe rund um Homer Simpson im Vorspann jeder Folge vor die Glotze. Wie die Zuschauer, die das mit ihren Familien tagtäglich tun, um dem gelben Wahnsinn in der fiktiven US-Kleinstadt Springfield zuzuschauen.
1989 waren die Simpsons zum ersten Mal im amerikanischen Fernsehen auf dem Sender Fox zu sehen - 1991 folgte die deutschsprachige Ausstrahlung im ZDF, seit 1994 sorgen fantastische Zuschauerzahlen dafür, dass der Privatsender Pro Sieben mit der Serie gute Quoten einfährt.

Tatsächlich spielt sich ein Großteil des Familienalltags bei den Simpsons rund um den Fernseher ab. Schon in der ersten Staffel buhlen die Kinder Lisa und Bart um die Gunst ihrer kleinen Schwester Maggie. „Wen von uns beiden hast du lieber?“ fragen sie - woraufhin das Baby den Fernseher umarmt. Auch Homer verbringt die Tage lieber vor der Glotze als bei der Arbeit im Atomkraftwerk oder in der Kirche.
Daneben reflektiert die Serie das Weltgeschehen und parodiert die moderne Kultur. Springfield ist die ganze Welt als kleines Dorf - hier treffen sich vom korrupten Politiker bis zum alkoholkranken Barbesucher alle Figuren, die für unsere Gesellschaft stehen.

Das Ganze wird vermengt mit Gastauftritten echter Stars wie Ringo Starr oder Jack Nicholson - wer es als Trickfigur in eine Simpsons-Episode schafft, hat die Garantie, dass er auch in der echten Welt eine wichtige Rolle spielt. Deshalb schauen Menschen auf der ganzen Welt so gerne zu: Die Simpsons erklären uns unseren Alltag und spiegeln unsere eigenen Sorgen wieder.
Immer wieder geht es darum, wie man es schafft, die Familie in schnelllebigen und unsicheren Zeiten zusammenzuhalten. Im Simpsons-Kinofilm von 2007 drohte die Familie gar zu zerbrechen - Homer und Marge standen kurz vor der Scheidung. Doch egal, wie schwer der Frieden im Hause Simpson gefährdet ist: Am Ende haben sich alle wieder lieb, weil sie sich auf die guten alten Werte besinnen.

Und die gibt s nicht im Fernseher, sondern im Glauben an die Familie und an Gott - die Simpsons sind wohl die letzte unspießige Fernsehfamilie, die noch regelmäßig in die Kirche geht. So vertritt die Serie auch nach 21 Staffeln und mehr als 440 Folgen eine wertkonservative Weltsicht, die durch all die Satire und Postmoderne immer wieder durchschimmert. Das unterscheidet sie etwa von der brachialen Comic-Serie „South Park“. Auch hier parodiert eine Kleinstadt die westliche Welt, doch auf moralische Leitwerte wird verzichtet. Die Kinder von South Park demontieren lustvoll die Welt, in der wir leben. Das tun die Simpsons auch, doch sie bieten anschließend immer einen Weg raus aus der Misere an.

Nach 20 Jahren sind die Simpsons fast nicht mehr zeitgemäß. Nicht nur die Klamotten von Bart und seinen Freunden sind 90er-Jahre-Stil: Auch der Fernseher der Simpsons ist mit seiner dicken Bildröhre und den Analogantennen nur noch schwer im Wohnzimmer vorstellbar. Andererseits wäre es ein Sakrileg, sollten Simpsons-Erfinder Matt Groening und seine Zeichner Homer und die anderen plötzlich vor einen Flachbildschirm setzen. Denn die Simpsons müssen immer so bleiben, wie sie sind. Wie wohl alles, was für die guten alten Werte in unserer Gesellschaft steht.

PS. Als ich den Artikel schrieb, war mir noch nicht klar, dass die Simpsons in der neuen Staffel tatsächlich einen Flachbildschirm bekommen. Aber der ist tatsächlich ein Sakrileg!

Sonntag, 26. September 2010

Sonntagsbüdchen (9)

Mein Volontariat bei der Rundschau ist beendet. Und darum will ich mit dem heutigen Sonntagsbüdchen meinem Arbeitgeber der letzten zwei Jahre ein wenig huldigen. Ich glaube, kein Büdchen in Köln huldigt ihm so sehr wie dieses an der Haltestelle Sülzburgstraße.


Und da es letzte Woche keinen Büdchencontent gab, gibt es heute Bonuscontent: Einen Gruß nach Köln von einem Büdchen aus Berlin, wo die Büdchen weder Büdchen noch Kiosk sondern Spätkauf oder Späti heißen.

Samstag, 25. September 2010

Gleichzeitig staunen und verzweifeln


Verschönert euch das Wochenende mit diesem zauberhaften Kurzfilm:



Harvie Krumpet ist ein Kurzfilm des Australiers Adam Elliot, der 2003 den Oscar gewann. Elliots neuer Film heißt


Mary und Max
Gesehen im: Cinenova, Köln, 19. September, 21.30 Uhr
Gesehen mit: der Freundin, die sich während des Films in einen Tränenbrunnen verwandelte

Und wenn euer Wochenende noch schöner werden soll, dann seht ihn euch im Kino an. Auch hier geht es um schwere Themen (Einsamkeit, Suizid, Alkoholismus, Mobbing, Tablettensucht, unheilbare Krankheiten...), die in einer herzerwärmenden Geschichte aufgearbeitet werden.



Die Figuren haben trotz ihrer Marsmensch-Ohren unglaublich viel Authentizität. Es fühlt sich so an, als würde Elliot sie wirklich begreifen und sie nicht nicht als Mitleid erregende Opfer betrachten, wie es oft die Regisseure humorloser (und pseudo-wichtiger) Arthouse-Dramen tun.
Der Film ist altmodisch. Die Figuren sind aus Knete und nicht computeranimiert, Mary und Max schreiben sich Briefe und keine E-Mails. Der Film spielt in den 70ern, aber eigentlich ist er zeitlos.

Mary ist ein achtjähriges Mädchen aus Australien, Max ein Mitte vierzigjähriger Mann aus New York. Beide haben es schwer, soziale Kontakte zu finden und die Umwelt um sich herum zu verstehen. Über Marys Frage, ob die Babies in Amerika aus Cola-Dosen kommen, die sie willkürlich an irgendeinen Amerikaner schickt, kommen die beiden in Kontakt.



Es folgt - wie auch bei Harvie Krumpet - die Zusammenfassung von einem ganzen (Max) und einem halben (Mary) Leben. Beide Leben sind voll mit düsteren Schicksalsschlägen, aber auch voll mit Skurrilitäten. Der Film erinnert oft an die Leichtigkeit von Jeunets Micmacs, nur macht Elliot nicht den gleichen Fehler wie Jeunet, der die Probleme seiner Figuren und die Schwere der Filmthemen nicht ernst genommen hat.

Und so hat Elliot etwas Außergewöhnliches hinbekommen: Einen Film, in dem man gleichzeitig über die Welt staunen und an ihr verzweifeln darf.

Mittwoch, 22. September 2010

Dienstag, 21. September 2010

Im echten Leben gibt es auch nicht immer ein Motiv


Beim Drehbuchschreiben geht es ständig um Motivation. Zunächst natürlich um die eigene Motivation, sich überhaupt hinzusetzen und den bedrohlich blinkenden Cursor auf der leeren Seite zu besiegen. Ist das geschafft, ist der Autor früher oder später in einen Kampf mit seinen eigenen Figuren verwickelt. Sie müssen motiviert sein, die Dinge zu tun, die der Autor von ihnen will. Alles was sie tun, muss einen Grund haben, der logisch ist. Tun die Figuren etwas, was der Zuschauer nicht nachvollziehen kann, dann verliert man den Zuschauer sehr schnell. Er ist nicht länger bereit, der Filmhandlung zu folgen, weil er die Figuren nicht mehr glaubt und hinter ihnen den "Puppenspieler" erkennt. Alles, was passiert, fühlt sich dann nicht mehr echt, richtig oder nachvollziehbar an.

Ich habe in letzter Zeit drei Filme im Kino gesehen, bei denen die Motivationen nicht stimmen und die überraschenderweise trotzdem funktionieren.

Zunächst wäre da

The Expendables
Gesehen im: Cinedom, Köln, 3. September, 20 Uhr
Gesehen mit: Männern. Mit wem auch sonst?


Die einzige Motivation, die dieser Film hat, ist die, möglichst viele 80er-Jahre-Actionhelden zusammenzubringen. Die ballern sich unter der Führung von Sylvester Stallone durch einen hanebüchenen B-Movie-Plot, bei dem es sich nicht lohnt, ihn zusammenzufassen. Die Dialoge glänzen mit Sätzen wie "Ich bin so trocken, wie die Farbe trocken sein wird, wenn das Bild trocken ist".

Der Figuren sind nicht motiviert. Sie handeln stets so, dass sie möglichst viel ballern müssen - egal ob das in der Story nun Sinn macht oder nicht. Das funktioniert, weil die Figuren eigentlich keine richtigen Figuren sind. Der Film lebt davon, dass man sich als Zuschauer die ganze Zeit bewusst ist, dass man hier gealterte Schauspieler sieht, die sich gemeinsam auf ihre nostalgisch verklärte Kriegs-Spielwiese begeben haben, um sich nochmal richtig auszutoben. Am besten spiegelt sich das natürlich in der Szene wieder, in der Stallone auf Schwarzenegger trifft. Hier reden nicht zwei Filmfiguren miteinander sondern zwei Filmikonen. Daher sagen sie nichts, was für die Geschichte oder den Plot irgendwie wichtig wäre, sondern machen permanent Anspielungen auf ihre alten Filme oder das politische Engagement von Schwarzenegger. (Im Deutschen tun sie das übrigens beide mit der gleichen Synchronstimme!)



Als Film funktioniert der Film nicht - er erzählt keine sinnvolle Story, er hat keine glaubhaften Figuren. Er ist ein hohles Spektakel, das den alten Haudegen aber gegönnt sei. Und Spaß macht, weil es ihnen Spaß macht.

Etwas komplizierter wird es mit der Motivationsverweigerung in dem Film

Salt
Gesehen im: Cinedom, Köln, 31. August, 15 Uhr
Gesehen mit: Dem fast-schwedischen Buddie


Hier geht es um eine von Angelina Jolie gespielte Doppel-Agentin, die mal für die CIA, mal für die Russen Anschläge verübt, von beiden mal gejagt wird und ihren Ehemann retten muss, bei dem man schon nicht glaubt, dass er ihr Ehemann sein könnte. Mal ehrlich: Angelina Jolie und August Diehl? Schon da stimmt doch was nicht.

An dem Fim Salt stimmt auch vieles andere nicht. Kaum eine Handlungswendung ist logisch, immer passiert etwas unerwartetes, das im Nachhinein kaum einen Sinn ergibt. Und absurderweise stimmt gerade deswegen einiges an dem Film. Er hat sich die Motivationslosigkeit zum Programm gemacht. Hier tut die Hauptfigur immer das, was man eigentlich nicht von ihr erwartet. Also Dinge, für die sie überhaupt keine Motivation hat. Gerade das ist der Motor des Films. Die absurden Wendungen lassen den zunächst sehr geradlinigen Hide-and-Run-Plot (CIA-Agentin wird gejagt, weil sie eine Doppelagentin zu sein scheint) zu einem Puzzle werden, bei dem der Zuschauer permanent versucht herauszufinden, wie all die seltsamen Wendungen am Ende ein sinnvolles Ganzes ergeben.


Irgendwann ahnt man (spätestens nach der 32124238497. absurden Wendung), dass es das sinnvolle Ganze gar nicht geben kann. Doch weil der Weg ins recht abrupte Ende durch all die Irrwege sehr spaßig ist, ist man doch zufrieden. Weil man eben nicht den 23423479287. logischen aber langweiligen Aufguss eines Action-Plots gesehen hat, sondern weil man bei einem frechen Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers dabei war.

Die völlige Verbannung jeglicher Motivation betreibt der Film

Gesehen im: Cinedom, Köln, 1. September, 21.30 Uhr
Gesehen mit: Freundin, Bruder von Freundin und einem Saal voll mit Fantasy-Filmfest-Fans


Der Film hat keine Motivation, aber absurderweise wird gleich in der ersten Szene die Motivation des Fims erklärt: "Dies ist ein Film über die Dinge, die grundlos passieren."
In dem Film, bei dem der Kerl Regie geführt hat, der in den 90ern die Stoffpuppe Flat Eric zu schrecklicher Musik mit dem Finger tippen ließ, kann alles passieren. Beziehungsweise es können nur Dinge passieren, die keinen Grund haben. Das heißt, sobald irgendetwas aufgrund irgendeiner erkennbaren Motivation passieren sollte, würde es nicht mehr in den Film passen. Um das deutlich zu machen, bleibt mir eigentlich nur, die Handlung von Rubber zusammenzufassen:

Ein Publikum steht in der Wüste und bekommt Ferngläser. Mit denen soll es einen Film gucken, der aber kein Film ist, sondern ein Autoreifen. Dieser Autoreifen rollt von selbst durch die Wüste und lernt, dass er Dinge zum explodieren bringen kann, wenn er sich stark konzentriert. Der Reifen verliebt sich in eine Frau und beobachtet sie beim Duschen. Ein paar Polizisten wollen den Reifen fangen. Einige von ihnen wissen, dass sie nur Filmfiguren sind, andere glauben, sie seien echte Polizisten - und das obwohl einer von ihnen ein Stofftier statt einer Pistole hat. Statt den Reifen zu fangen, beginnen die Polizisten, das Publikum in der Wüste zu töten, indem sie ihm vergiftetes Fleisch geben. Doch ein Zuschauer überlebt, weswegen die Polizisten weiter den Reifen jagen müssen...


Um diesen Quatsch noch mitzumachen, muss man wirklich jedes logische Denken über Bord werfen. Das macht Spaß, wenn man es einmal geschafft hat. Doch es ist nicht einfach, es zu schaffen.

Denn im Kino ist man ja doch darauf trainiert, die Plausibilität der Handlung ständig zu hinterfragen. Obwohl im echten Leben ja auch ständig Dinge passieren, die nicht erwartbar sind oder sogar keinen Sinn machen.

Freitag, 17. September 2010

Zeitlupensprünge ins Wochenende



Hinter dieser faszinierenden Leichtigkeit steckt eine gehörige Portion Masochismus. Ich habe vor zwei Jahren mal über ein BMX-Turnier in Köln berichtet. Keiner der Fahrer, die ich dort interviewt habe, hatte noch keinen Fußbruch erlitten. Die meisten hatten schon beide Füße mehrmals gebrochen.

Ein 16-jähriges Mädchen präsentierte mir stolz ihre weißen Zähne: Alle neu und künstlich, sie hatte sich am Fahrrad-Lenker alle Vorderzähne ausgeschlagen.

Mein Liebling war ein Kerl, der sich schon so oft die Hand gebrochen hatte, dass er viele Tricks nicht mehr hinkriegt, weil die Finger versteift sind. "Ich kann kein Marmeladenglas mehr aufschrauben."

Montag, 13. September 2010

Analoge Faszination in digitaler Komprimierung

Am Wochenende wurde das Odonien – das Phantasialand für Linksalternative und ihre Kinder – zum Robodonien. Und der Spieltrieb der Robodonier war deutlich faszinierender anzusehen, als der, dem im Pascha gegenüber nachgegangen wird. (Sorry, auf das Wortspiel freue ich mich schon, seit ich am Samstag diese Videoclips gemacht habe...)






Sonntag, 12. September 2010

Sonntagsbüdchen (8)

Da meine liebe Quasi-Schwesterbloggerin und Twitter-Dialogpartnerin @nrsss die Erste (und wohl Einzige) ist, die den Büdchencontent letzte Woche vermisst hat, möchte ich ihr gerne das heutige Sonntagsbüdchen widmen.

Es ist ein besonderes Sonntagsbüdchen, das eigentlich gar kein Büdchen ist, aber genauso viel Sonntagswärme ausstrahlt. Es ist ein Angebot, das ich heute auf dem Hauptbahnhof gesehen habe und das ich (gerade wegen der Handschrift) so rührend fand, dass ich es statt einer heimeligen Kiosk-Fassade abbilden will.

Samstag, 11. September 2010

Ein Zivi vor neun Jahren


Heute vor 9 Jahren. Ich war Zivi und baute mit meinem Chef einen Schrank in der Wohnung von zwei Sozialhilfeempfängern auf. (Wer das Gefühl hat, dass 9/11 noch gar nicht neun Jahre her sein kann, sollte sich jetzt klar machen, dass damals noch die Zeit war, in der man den Begriff Hartz IV nicht kannte und Sozialhilfeempfänger noch Möbel von Zivis aufgebaut bekamen.)
Die beiden Sozialhilfeempfänger guckten Fernsehen (wurden dabei aber nicht gefilmt und auf RTL übertragen - auch das kannte man noch nicht). Eine Trickserie, bei der permanent unten eingeblendet wurde: "Terror in Amerika! Für weitere Informationen schalten sie auf N24 um!" Sie schalteten nicht um.

Auf der Fahrt nach Hause glaubte ich, im Radio das "Krieg der Welten"-Hörspiel-Sequel zu hören. Mir wurde klar, dass EinsLive tagsüber keine Hörspiele sendet, weswegen ich verwirrt war. Die Verwirrtheit mündete in Fassungslosigkeit, als ich zu Hause zum ersten Mal die Fernsehbilder sah. Später im Jugendcafé - ein Treffpunkt für Migrantenkinder, in dem die Zivis jobbten - waren die Kids zu ersten Mal still und guckten gebannt Fernsehen. Nur ein kleiner türkischer Junge fand das mit den Türmen ziemlich öde und wollte lieber Billard spielen. Ein anderer gab ihm einen festen Klaps auf den Hinterkopf und sprach den Satz, den ich seitdem immer zuerst mit 9/11 assoziiere: "Halt die Fresse, wenn Krieg kommt, ist Türkei auch dabei."

Mittwoch, 8. September 2010

Heidewitzka, eine Zeitreise


Die Tage werden wieder kürzer, um 20 Uhr ist es beinahe dunkel, und ich habe noch nicht über das Kölner Sommererlebnis schlechthin gebloggt. Das hole ich hiermit nach - schon morgen könnte es bereits um 19 Uhr dunkel werden.

Für eine Zeitreise braucht man in Köln keinen De Lorean, es reicht ein Ticket für eine Bootsrundfahrt am Altstadtpanorama vorbei. Hier reist man nicht nur von der Altstadt aus nach Mülheim und zurück sondern gleichzeitig auch von heute in die 50er Jahre und zurück.

Die Fahrt erfüllt erfreulicherweise alle Klischees. Kaum hat das Boot abgelegt, wird dieses Lied gespielt:

Angekündigt von einem Gong meldet sich dann immer wieder ein Sprecher zu Wort, der bereits die Kinowochenschau besprochen hat:



Spätestens, wenn die Hohenzollernbrücke passiert wurde, stellt sich das Sonntagnachmittagsgefühl ein, mit dem einen sonst nur der Heinz Erhardt-Film "Drei Mann in einem Boot" einhüllen kann. Für eine Steigerung der Heimatfilm-Wohligkeit während der Fahrt sei daher dringend empfohlen, sich dieses Lied auf den iPod zu laden:


Und wer die Zeitreise absolut ultimativ erleben will, sprengt vor der Fahrt die Kranhäuser in die Luft. Die erwähnt nämlich auch der sympathische Wochenschau-Sprecher nicht.

Nächstes Jahr geht meine Zeitreise hoffentlich bis zur Loreley. Mit "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", Kännchen-Kaffee und japanischen Touristen bitte.

Montag, 6. September 2010

Keine roten Haare mehr im Tatort

Gestern lief der letzte Tatort mit Andrea Sawatzki. Grundsätzlich muss ich das als rothaariger Mensch bedauern. Denn ohne Frau Sawatzki ist die Reihe jetzt wieder Rothaar-frei und wird es wohl für lange Zeit bleiben.

Als Sawatzki damals Tatort-Kommissarin wurde, habe ich mich sehr gefreut. Ich fühlte mich als rothaariger Mensch sehr würdig vertreten, und das ist viel wert, denn wir haben nur wenige Vertreter im Fernsehen. Toll, wenn dann eine Rothaarige kommt, die noch mit 40 Jahren im Playboy eine gute Figur machte.

Als Kommissarin nervte sie mich trotzdem sehr schnell. Gut, nicht jede Rothaarige muss zu einer Pippi Langstrumpf gemacht werden - das würde in seiner Klischiertheit wohl fast an Diskriminierung grenzen - aber eine Krimireihe, in der alles grau ist und alle permanent depressiv, passt nun absolut nicht. Es gibt doch schon genug blonde und brünette Menschen, die sich durch Frust-Krimis ermitteln müssen!

Frau Sawatzki scheint die düstere Atmosphäre auch nicht gut getan zu haben. Im Laufe der Zeit verwandelte sie sich in eine Art Schauspiel-Zombie, der von Botox statt Blut am Leben gehalten wird. Als ich sie letztes Jahr auf dem Fernsehpreis sah, machte ich dieses Bild, zu dem perfekt der Kommentar einer Facebookfreundin passt.

"Da passt der kurze Rock nicht zum konservativen Twinset, der Busen nicht zum ausgemergelten Gesicht und das Gesamtbild nicht in den Tatort."

Das Problem an Andrea Sawatzki ist, dass all diese Dinge von ihren roten Haaren ablenken. Ich fühle mich nicht mehr gut von ihr vertreten. Ist also eigentlich gar nicht so schlimm, dass sie den Tatort verlässt.
Nächster Versuch: Würde bitte jemand Jasmin Schwiers eine Dienstmarke geben?

PS. Kann es sein, dass Sawatzki irgendwann mal in einen großen Tank mit grüner Comic-Säure gefallen ist?