Montag, 27. Juni 2011

"Expertengespräch" und ein Schluck Kölsch in Großaufnahme

Am Samstag habe ich meinen ersten Live-Boxkampf gesehen – und zwar gemeinsam mit einem Kollegen, der genauso wenig Ahnung vom Boxen hat wie ich. (Wir wussten beide vorher, dass es um Schläge mit Handschuhen geht – so irgendwie.) Sturm vs. Macklin in der LanxessKölnarena. Auf riesigen Anzeigetafeln wurde vor dem Kampf verkündet: "Präsentiert von Sturm Box Promotion"
Warum Herr Sturm wohl den Kampf gewonnen hat, obwohl so ziemlich jeder (inklusive uns beiden Volllaien) sicher war, dass Macklin mehr Punkte hätte haben müssen?

Andererseits hat wohl ein Boxer, der es nicht einmal schafft, seinen Bademantel rechtzeitig anzuziehen, keinen Sieg verdient. "Probleme mit dem Bademantel", so hießen die Gerüchte in der Arena, seien jedenfalls an der zähen Eröffnung des Kampfes Schuld gewesen, die mein Kollege und ich hier äußerst fachmännisch kommentieren:

Donnerstag, 23. Juni 2011

Öffne dich


Als Messdiener habe ich früher die Fronleichnamsprozession gerne gemocht. Denn wenn ich Glück hatte, durfte ich das Weihrauchfässchen schwenken oder befüllen. Richtig guten Weihrauch gab es nur im perfekten Zusammenspiel. Wurde das Fässchen falsch geschwenkt (nämlich zu kraftlos), dann dampfte der Rauch nur recht unspektakulär in die Höhe und verflog schnell. Hat man das Fässchen allerdings weit pendeln lassen und so von sich gestoßen, dass die Ketten, an denen es baumelte, rasselten, dann spie es wunderschöne dicke Wolken aus, die sich über die Gemeinde legten. Vorausgesetzt, das Fässchen war richtig befüllt. Nämlich mit so viel Weihrauch, wie nur möglich! Ich hielt mich damals für einen guten Qualmer. Jedenfalls war ich so gut, dass mir nach der Hälfte der Prozession immer sehr schlecht war. Beim Weihrauchschwenken ist es wie bei einer Achterbahn oder einem Horrorfilm: Erst, wenn man das Gefühl hat, jeden Moment in einen Eimer kotzen zu müssen, macht es richtig Spaß.

Die Gebete während der Prozession haben mich naturgemäß wenig interessiert, die Musik mochte ich gerne, schließlich gibt sie den Ritualen erst den richtigen "Drive", so wie es gute Filmmusik schafft. Wenn ich sonst als Messdiener in der Kirche war (und ich war eigentlich immer nur als Messdiener in der Kirche), saß ich im Altarraum, wo man zwar die Gemeinde ein wenig, den Priester aber fast gar nicht verstehen konnte, da er mit dem Rücken zu einem stand. Als Messdiener bekam ich immer sehr wenig von den Predigten und den Gebeten mit. Aber sehr viel von den Ritualen – denn immerhin durfte ich bei denen ja aktiv mitmachen. Wenn ich an Kirche denke, dann denke ich also zuerst immer an die Rituale. An die Faszination des Sakralen (und des Makaberen. Denn wo außer in der Kirche wird noch ungestraft Blut getrunken, während man unter der riesigen Skulptur eines gemarterten Leichnams steht).

Die Rituale und die bildlichen Darstellungen haben mich überhaupt erst zu den Bibel-Geschichten geführt, die ich gerne gelesen habe (selbstverständlich in einer dramatisieren Fassung für Kinder). Umgekehrt haben die Rituale die Geschichten in der Messe für mich lebendig gemacht. Und so wundert es mich im Nachhinein nicht, dass ich als Jugendlicher schnell eine Faszination für Horrorgeschichten entwickelt habe, die – allen voran im großartigen "Der Exorzist" – die faszinierende Kraft der Rituale auf die Spitze treiben.


Ich würde mich nicht als fromm bezeichnen. Dafür gehe ich zu selten in die Kirche und dafür fällt es mir zu schwer, den katholischen Glauben als unumstößliche Wahrheit zu begreifen. Davon abgesehen kann ich mich natürlich mit vielen politischen Positionen der Kirche nicht identifizieren. Allerdings halte ich die Kirche für sehr wichtig. Sie verkörpert die kulturellen und moralischen Werte unserer Gesellschaft, gibt Zeugnis über unsere Geschichte ab und gibt uns Rituale, die uns helfen, Ordnung und Identität in unser Leben zu bringen.

Ich glaube, die kirchlichen Rituale und vor allem die Geschichten sind untrennbar mit unserer Gesellschaft und Identität verknüpft. Warum sonst halten es viele Brautpaare für wichtig, in der Kirche zu heiraten, obwohl sie nicht gläubig sind. Warum sagt ein Freund von mir, der aus der Kirche ausgetreten ist, "wenn das vorbei ist, schlage ich drei Kreuze"? Sind die Romane von Dan Brown nicht letztlich auch Bestseller geworden, weil sie die Leser mit Verschwörungen und Geschichten rund um die kirchlichen Riten faszinieren? Und würde das kulturelle Leben in Köln nicht komplett untergehen, wenn der Dom plötzlich gesprengt werden würde (immerhin behaupten nicht wenige Leute, den Dom zu lieben und sich zu Hause zu fühlen, wenn sie ihn am Horizont erblicken – selbst wenn sie mit der Kirche nichts am Hut haben). Ich könnte zahllose weitere Beispiele aufzählen, aber mein Punkt ist klar. Das, was die Kirche verkörpert (die Geschichten, die Rituale) sind unersetzbare und fundamentale Pfeiler unserer Kultur und unseres Zusammenlebens. Vielleicht noch ein letztes Beispiel: Fast jeder, der in einem christlichen Land sozialisiert wurde, schickt – egal ob gläubig oder nicht – Stoßgebete zum Himmel, wenn er in einer verzweifelten Situation steckt. Sei es Krebs, ein totes Kind oder einfach nur die Frustration, die aufkommt, wenn man nach einem verlorenen Haustürschlüssel sucht.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Wie gestern spontan ein Autorennetzwerk entstand

Vor etwa zwei Wochen gab ich hier meine E-Mail-Adresse an. Und gestern passierte dann das:

Ich bekam eine E-Mail von einer Dame, die für Konstantin Neven DuMont arbeitet.

vielen Dank für Ihr Interesse an dem KNDM Projekt teilzunehmen. Über die zahlreichen Zuschriften haben wir uns sehr gefreut. KNDM hat den Anspruch kritisch, nachhaltig, direkt und meinungsbildend zu sein. Wir versuchen Menschen zu einer aktiven Teilnahme an Meinungsbildungsprozessen in Zeiten einer zunehmenden Politikverdrossenheit. Um Ihre Bewerbung schnellstmöglich zu bearbeiten haben wir eine Bitte an Sie:

Hier folgt nun der Aufruf, Bewerbungsunterlagen einzuschicken. Das Problem an der E-Mail (abgesehen von den Grammatikfehlern): Sie ging an alle raus, die sich auf kndm.de eingetragen hatten. Und zwar waren alle Empfänger-Mailadressen in der Empfänger-Adresszeile und nicht etwa unter "CC" oder "BCC" eingetragen, so dass jeder sehen konnte, wer seine Mitbewerber sind. Und schwupps - das Internet nahm wieder seine Dynamik auf, unter der KNDM schon einmal leiden musste.

Folgender (hier gekürzter und anonymisierter) E-Mail-Dialog brachte  mich gestern Nachmittag zum Schmunzeln.

Sehr geehrte Frau XXX, sehr geehrte Mitbewerberinnen und Mitbewerber, vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich den Anspruch von KNDM - kritisch, nachhaltig, direkt und meinungsbildend zu sein - vollumfänglich teile. Ich bin positiv beeindruckt von dem von Ihnen gewählten innovativen Ansatz, bereits in der Bewerbungsphase alle Interessentinnen und Interessenten untereinander zu vernetzen. So eröffnet sich für uns alle die Möglichkeit, gemeinsam miteinander ein optimal auf die Bedürfnisse von KNDM zugeschnittenes Angebot zu erstellen.

Der Ansatz ist: fantastisch! Man muss sich nur die Vorteile vergegenwärtigen: Das Bewerbungsprocedere ist hierdurch vollkommen unnötig geworden. Eine mutige Vorgehensweise, die ich ehrlich gesagt anderen Kollegen nicht vorenthalten möchte. Ich habe deshalb über Twitter gefragt, ob eventuell noch andere Interessierte auf die KDNM-Mailingliste wollen und über die Vorschläge Herr Dreschers diskutieren möchten.

auch ich freue mich, Sie alle bereits kennenlernen zu dürfen. Ich würde vorschlagen, dass wir gleich mit der Arbeit beginnen und - sobald uns mitgeteilt wurde, wie wir honoriert werden - unsere Artikel über diese Mailinglist austauschen und zu einem spannenden, innovativen und vor allem sehr schnellen Internet-Journalismus-Projekt zusammenzuschmelzen.

Ich wäre dafür, eine Facebook-Gruppe "KNDM Autorennetzwerk" zu gründen.

(So geschah es dann auch.)

Liebe Leute, Das mit dem nicht anonymen Verteiler war natürlich ein Fehler von meiner Seite - wie ich bereits heute schon mehrfach geschrieben habe. Da zur Zeit noch nicht klar ist wer auf welcher Position, für was arbeiten will und bereits schon Bemerkungen bezüglich des Datenschutzes geäußert wurden, würde ich vorschlagen, diese geschlossene Diskussion erst einmal zu beenden und erst dann fortzuführen, wenn alle beteiligten auch diesem Prozedere zugestimmt haben. Prinzipiell stimme ich aber offenen Diskussionen innerhalb einer Redaktion zu. In diesem Fall war es jedoch nicht geplant. Ich bitte um Entschuldigung. Viele Grüße, XXX


ich muss ja gestehen, dass ich aus dem Grinsen kaum noch herauskomme! Und bin gespannt, was aus dem KNDM-Club (für: "Kenne Nicht Diese Mailfunktion") wird.

Jede Interaktion hat Folgen... Die Entschuldigung nehme ich gerne an, da müssen Sie gar nicht bitten. Trotz der Anrede 'Leute', die mir zusammen mit dem Inhalt Ihrer Mail sehr teldafaxisch kommt. Schön, dass Sie offenen Diskussionen innerhalb einer Redaktion prinzipiell zustimmen - dann macht Ihnen das außerhalb einer Redaktion bestimmt auch nichts aus und wir müssen nicht die Zustimmungen von 'allen beteiligten' [sic] für eine geschlossene Diskussion abwarten.


Bin vollends begeistert von diesem spontanen "Bewerbernetzerk" und dem, was aus der Reply All-Funktion gemacht wird - Ihr seid großartig, ihr Menschen. Bloggt das jemand?


Gebloggt habe ich es jetzt. Und es ist ja auch eigentlich keine allzu wilde Sache, immerhin konnte man so auf unkonventionelle Art und Weise nette Kollegen aus dem ganzen Land kennen lernen.
Ich bin nur nicht sicher, wer sich bei dem Start-Up-Unternehmen noch bewerben will. Wie unprofessionell hier mit Daten umgegangen wurde, ist schon ziemlich peinlich.

(Auch wenn die Reaktion der Betroffenen wahrscheinlich nicht so stark ausgefallen wäre, wenn es sich nicht um KNDM gehandelt hätte. Aber gerade dann hätte man doch aufpassen müssen, einen angemessenen E-Mail-Verkehr zu starten.)

Sonntag, 5. Juni 2011

Pfft... Pfft... Test... Test... 1, 2, 3, 4...

Ja, ich glaube, das Blog funktioniert wieder. Frisch entrümpelt und in sympathischem Hellblau statt abgenutztem Dunkelrot ist dieses Blog wieder auf Sendung.


Zu großem Dank bin ich meiner lieben Blog-Kollegin Caro verpflichtet, die mir den wunderbaren neuen Header gezeichnet hat. Er fühlt sich sehr nach Köln an, wie ich finde – und das, obwohl Caro aus Berlin kommt. (Warum er sich nach Köln anfühlt? Na, weil sich alle Kölner wie Superhelden fühlen, ist doch klar!)

Hiermit sei allen befohlen, Caros Blog Wanderlust zu folgen. Ein sehr sympathisches Blog, das genauso langsam aktualisiert wird, wie dieses hier in letzter Zeit.

Apropos aktualisieren: Nach einer längeren Pause, will ich jetzt endlich wieder mehr Futter hier posten, habe aber leider nicht mehr so viel Zeit wie noch im letzten Jahr, als ich ein sehr bequemes Leben in einer Festanstellung verbringen durfte. Also: Ich gebe mir Mühe!

Zum Anfang gibt es ein Sonntagsbüdchen (siehe oben) und Filmkritiken. Ich will ja jeden Film, den ich im Kino sehe, hier besprechen. Es folgt eine Liste mit den Filmen, die ich gesehen aber noch nicht besprochen habe. Es sind alle, die mir einfielen, es kann aber gut sein, dass ich welche vergessen habe (die waren dann aber wahrscheinlich auch nicht gut). Und da viele von den Filmen schon alt sind und gar nicht mehr im Kino laufen, beschränke ich mich auf twitterige 140-Zeichen Filmkritiken.

1. 127 Hours
Die Hauptfigur ist eingeklemmt und kann sich nicht bewegen. Dafür bewegt sich die Kamera um so mehr. Und das tut sie sehr bewegend.

2. The King's Speech
Eigentlich handelt der Film von einem Sprachtherapeuthen. Aber es wird die Geschichte eines Königs erzählt. Schöner Film, aber überbewertet.

3. Almanya
Sympathische deutsche Komödie mit sympathischen deutschen Türken. Das Ende ist eine Zusammenfassung von "Little Miss Sunshine".

4. Der Plan
Verquerer Thriller über Männer, die das Schicksal lenken. Sauber geschrieben, aber völlig falsch inszeniert.

5. The Rite
Solider Horrorfilm über einen Exorzismus, der gut geschrieben ist. Zu viele Effekte nehmen dem Film allerdings seinen Effekt.

6. The Fighter
Ein Meisterwerk über einen Boxer und seine liebenswert schreckliche White-Trash-Familie. Könnte mein Lieblingsfilm 2011 werden.

7. Sascha
Filmdebüt von meinem Freund Dennis Todorovic. Bin zu voreingenommen, um ihn zu kritisieren. Aber Köln sah selten schöner aus als hier.


8. Thor
Absurder Superhelden-Film, der aber viel Spaß macht, wenn man bereit ist, an Götter zu glauben.

9. Scre4m
Unnötige Fortsetzung, die aber liebevoll ausgedacht und auf die Leinwand gebracht wurde. Die ersten zehn Minuten sind brillant.

10. Fluch der Karibik 4
Unnötige Fortsetzung, die weder liebevoll ausgedacht noch liebevoll auf die Leinwand gebracht wurde.

11. Wer ist Hanna?
Visuell sehr ansprechender Low-Budget-Thriller mit toller Hauptfigur und herrlich überzeichneten Nebenfiguren.

12. Der Biber
Anrührende Komödie, in der Mel Gibson endlich wieder zeigt, dass er ein toller Schauspieler ist.