Freitag, 28. Januar 2011

Psychosexueller Thriller trifft auf ein Wort mit drei T


Gesehen am: 21. Januar, 23 Uhr, Cinedom, Köln
Gesehen mit: 1xFreundin, 2xFreund

Über Black Swan wurden schon so viele Meinungen kundgetan, dass meine Meinung eigentlich kaum noch etwas Neues beisteuern kann. Viele halten den Film für ein Meisterwerk, andere denken, er ist überschätzt. Ich halte ihn für ein Meisterwerk. Warum? Wie gesagt, viel Neues kann ich nicht beisteuern. Aber "Hauptsache beisteuern" ist das Motto dieses Blogs.

Muss ich noch zusammenfassen, worum es geht? Ganz kurz: Natalie Portman (ja, sie wird den Oscar bekommen, allerdings kann ihr die ebenfalls nominierte Annette Bening gefährlich werden, die schon bei "American Beauty" vor ein paar Jahren übergangen wurde. Daher könnte sie einen leichten Vorteil haben, da die Jury denken könnte: "Na gut, die Portman hat jetzt super gespielt, aber das wird sie wieder tun - sie ist ja noch jung. Geben wir den Goldjungen der Bening, die bekommt ja bald keine Hauptrollen mehr, weil sie schon so alt ist.") spielt eine Balletttänzerin.
Wow, jetzt haben ich einen kurzen Satz geschrieben, der mit einer Klammer über mehrere Zeilen künstlich gestreckt wurde und noch ein Wort mit drei aufeinanderfolgenden T enthält. Das ist für Blogger so schwer, wie für eine Ballerina, den weißen und den schwarzen Schwan gleichzeitig in einer Inszenierung des "Schwanensees" tanzen zu müssen. Und genau das muss die Ballerina aus "Black Swan" tun. Der Druck, den sie durch diese Aufgabe zu spüren bekommt, lässt sie wahnsinnig werden.

Der Wahnsinn entfaltet sich in einem unglaublich düsteren Psychothriller, bei dem alles stimmt außer der Slogan auf dem Filmplakat ("Ein psychosexuller Thriller" – falls diesen Text irgendein Psychologe liest, soll er in den Kommentaren bitte bestätigen, dass es das Wort "psychosexuell" nicht gibt!).
Regisseur Darren Aronofsky schafft das, was das Kino im Idealfall schaffen kann: Er nimmt die Realität und formt aus ihr einen fantastischen Trip, der eine so große Wucht entfaltet (in diesem Fall zwei riesige schwarze Schwanenflügel), dass man tatsächlich eine möglichst große Leinwand braucht, damit er an die Nieren der Zuschauer gehen kann.


Aronofsky schafft das elegant aber unsubtil. Er begleitet die Tänzerin mit der gleichen Wackelkamera, mit der er auch schon den "Wrestler" in seinem letzten Film verfolgte. In diesen dokumentarischen Look webt er immer mehr mythologisch angehauchte Motive ein. So verschmilzt die Handlung des "Schwanensees" mit der eigentlich Filmhandlung. Die Konkurrentin der stets weiß gekleideten Tänzerin taucht auf und hat schwarze Schwanenflügel auf den Rücken tätowiert. Die konkurrierenden Schwäne springen also aus der Fiktion hinein in die Realität.

Und auf dieser Basis kann Aronofsky seinen Thriller zu einer wahren Höllenfahrt werden lassen, in der sich die Hauptfigur wortwörtlich von der schüchternen Unschuld in einen aggressiven Schwan verwandelt. Mit großen Bildern geizt Aronofsky nicht. Je weiter er sich von der Realität (also der Doku-Kamera) weg in die kranke Psyche der Tänzerin hinein bewegt, desto mehr Platz auf der Leinwand benötigen seine wuchtigen Filmgemälde.

In der Ballettszene scheinen einige Leute empört über den Film zu sein. Sie werfen ihm vor, ihren Alltag nicht realistisch darzustellen. Mag sein. Aber ich glaube nicht, dass das das Ziel des Films war. Aronofsky ist nicht in erster Linie an der Ballettszene interessiert. Er will eine dunklen Trip in eine finstere Psyche erzählen. Genau so gut könnte sich die Polizei beschweren, dass sie in David Finchers Film "Sieben" nicht gut weg kommt, weil Brad Pitts Ermittlungen nichts mit der Realität zu tun haben. 

Im Gegenteil: Die Ballettszene sollte sich über einen Film wie "Black Swan" freuen. Ich war eigentlich nie sonderlich scharf darauf, Ballettaufführungen anzusehen. Doch in "Black Swan" wird Ballett so groß, schillernd und fantastisch präsentiert, dass ich tatsächlich Lust – und ich werde wohl nicht der einzige sein – bekomme, mir so etwas live anzusehen:

Kommentare:

  1. genau so ging es mir auch :)
    das erste was ich machen wollte war, schwanensee mal in "echt" zu sehen. ich finde den film gut gemacht, portman spielt grandios, jedoch fand ich einige szenen etwas überzogen, was dann doch wieder wieder dazu beiträgt, dass der film interessant wird. wenn man versteht was ich meine^^
    generell mag ich natalie portman. abgesehen von star wars und anderen ausrutschern spielt sie in den meisten filmen sehr gut! sie sollte den oscar bekommen! mitleidsoscar sind doch schei** ;)

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  2. In den neuen Star Wars Filmen spielen alle Schauspieler schlecht. Selbst die ganz großen, was eindeutig daran liegt, dass sie permanent nur in grünen Kulissen und unter einer hilflosen Schauspielführung von George Lucas spielen mussten. (Das beweist wieder, wieviel Anteil des Regisseurs - und auch der des Cutters - an der Wirkung eines Schauspielers hat.)
    Aber das hier ist nicht der richtige Blog für Fast-Blasphemie am insgesamt größten popkulturellen Meisterwerk der Filmgeschichte. ;)

    Mit dem Überzogen-Interessant-Konflikt meinst du sicher das gleiche, dass ich mit Realität vs. wuchtige Filmbilder + mythologische Motive meinte. Der Film ist eben nicht realistisch, auch wenn er es anfangs vorgibt zu sein. Er ist ein lupenreiner Thriller und funktioniert nach den Gesetzen des Kinos - nicht nach denen der Realität.

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  3. "psychosexuell" als wort und konzept gibt es. (sogar ganz stereotyp bei freud). ich finde den film übrigens überschätzt, vielleicht aber auch einfach zu "unsubtil", wie du ja auch schreibst. keinesfalls schlecht jedenfalls.

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  4. Also doch. Ich finde, es ist trotzdem ein seltsames Wort für eine Tag-Line. Dass du zu den Überschätzt-Findern gehörst, wundert mich nicht. Aber dass große Bilder und Unsubtilität mir nichts ausmachen, dürfte auch nicht verwundern. ;)

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