Donnerstag, 13. Januar 2011

Noch ein ganzes Kinoblog in einem Post

In Erinnerung an den großen Kersh.




Da dieses Blog zu Gunsten des Adventskalenders im Dezember kurz abwesend war, hat sich soviel Kinomaterial angesammelt, dass wieder einmal ein ganzes Filmblog in einem Post nötig ist.




Prolog
Diesmal beginne ich mit wohl DEM Klassiker unter den Filmlogos. Der Löwe Jackie brüllt seit fast 90 Jahren vor jedem MGM-Film. Im letzten Jahr hatte er leider nicht mehr viel zu brüllen, denn das Filmstudio MGM ist so pleite, dass es weder Jackies Gehege putzen noch den neuen James Bond-Film finanzieren kann.

Schade, denn wie toll wäre es, Jackies markerschütterndes Brüllen (das mir als Kind immer sehr imponiert hat) in Dolby Surround und den Löwen selbst in 3D erleben zu können?

Hier kommt eine der ältesten Versionen des Logos. Aus einer Zeit, in der MGM noch das größte aller Filmstudios war. Einer Zeit, die als goldene Ära gilt, obwohl auf der Leinwand noch alles schwarzweiß war.




Vorfilm
Im Blogimblog soll weiterhin die Tradition fortleben, die im Kino leider so ausgestorben wie Löwe Jackie ist: Der Vorfilm. Diesmal gibt es eine Dokumentation über einen Mann aus Köln, der im Internet und an Filmhochschulen so etwas wie Kultstatus hat.
Der Film hat mich berührt. Zwar kann er als Freak-Show gesehen werden. Doch eigentlich handelt er davon, dass Filme aus Träumen bestehen. Und von großer Einsamkeit.




Ein unspektakuläres Jahr
Meine fünf Lieblingsfilme des letzten Jahres zu bestimmen, fällt mir diesmal recht schwer. Denn eigentlich hat mich – im Gegensatz zu 2009 – kaum ein Kinofilm wirklich tief beeindruckt. Stimmt nicht ganz, beeindruckt war ich von Filmen wie "Mary und Max" und "Inception". Doch ich wurde im Kinosaal nicht wirklich überrascht.



Deshalb würde ich 2010 als unspektakuläres Kinojahr bezeichnen, auch wenn es den ein oder anderen sehr guten Film zu sehen gab. Die Zukunft wird zeigen, ob einer der 2010-Filme zum Klassiker werden wird.

Hier meine Top 5:
1. Mary und Max
2. Inception
3. A serious Man
4. Shutter Island
5. Alice im Wunderland

PS. Ich habe leider verpasst, "Banksy - Exit through the Gift Shop" und "Carlos – Der Schakal" anzusehen. Ich habe aber bei beiden Filmen das Gefühl, dass sie es in die Top 5 geschafft hätten.


Filmkritiken
Drei
Milarepa – Der Weg zum Glück
Skyline
Gesehen im: Rex, Köln, 28. Dezember, 15 Uhr
Filmpalette, Köln, 28. Dezember, 18 Uhr
Cinedom, Köln, 28. Dezember, 20.15 Uhr
Gesehen mit: Einem Freund, der drei Filmbesuche hintereinander zum Geburtstag von mir geschenkt bekam, weswegen ich auch alle drei Filme direkt hintereinander besprechen will.

Einen Filmmarathon mit drei Filmen um drei Uhr mit dem Film "Drei" anzufangen, ist entweder etwas sehr magisches oder ein dummer Zufall. Wahrscheinlich in diesem Fall eher ein dummer Zufall, denn leider enttäuschten uns alle drei Filme ein wenig bis sehr. Der Plan war, einen deutschen Film, einen exotischen und einen kommerziellen Film anzusehen.


Der deutsche Film ist der von Tykwer, über den schon sehr viel geschrieben wurde und zu dem ich (um mal bei der blöden Zahlenspielerei zu bleiben) drei Meinungen habe:

1. Tykwer kann toll inszenieren. Der Film ist voll mit wunderbaren kleinen Szenen, in denen die Hauptdarsteller glänzen und Alltäglichkeiten in einen skurrilen Mikrokosmos verwandelt werden. (Etwa wenn eine Kultur-Reporterin über eine Ölbohrung mitten in der Stadt berichtet und dabei einen fußballspielenden Wissenschaftler kennenlernt.)
2. Der Film ist unkonventionell erzählt. Zunächst einmal zeigt sich Tykwer nach "Lola rennt" wieder als Meister der Splitscreen-Montage. Soviel wie er bekommt wohl kaum ein anderer deutscher Regisseur gleichzeitig in einer Minute erzählt. Außerdem versucht Tykwer, die Geschichte nicht linear zu erzählen und immer wieder in kleine Seiten-Storys abzubiegen. Den Versuch finde ich ehrenwert, aber er führt zu Punkt drei.
3. Warum sollte man sich für das alles interessieren? Im Kern erzählt der Film nur von zwei erfolgreichen und prinzipiell sehr glücklichen Menschen, die beide mit dem gleichen Mann fremdgehen, dann entdecken, dass sie mit dem gleichen Mann fremd gehen und dann eben gemeinsam mit ihm was anfangen. Der Film ist frei von echten Konflikten und die Nebenstorys (z.B. über eine krebskranke Mutter) lenken oft meht vom eigentlich Plot ab, als dass sie ihn bereichern würden. Immer wieder blitzt  die Möglichkeit auf, dass sich eine wunderbare und unkonventionelle romantische Komödie entfaltet. Doch jedesmal wird jeglicher Konflikt im Keim erstickt. Das Ende schreit sogar danach, der Beginn der eigentlichen (und sehr komischen) Story zu sein. Doch viele großartige Möglichkeiten werden immer wieder links liegen gelassen.

Nach Regen duftend sahen wir uns anschließend "Milarepa" an. Der Film aus dem Königreich Bhutan, von dem ich mal gehört habe, dass dort jeder Tourist täglich 100 Dollar an die Regierung zahlen muss, enttäuschte, weil er zu konventionell war. Okay, Vorwürfe à la "Was will er denn nun" bitte in die Kommentarleist schreiben.

Aber "Milarepa" – der auf einer buddhistischen Sage basiert – funktionierte mehr nach Schema-F als die meisten Hollywood-Filme. Milarepa ist ein Junge, dessen Familie schlecht behandelt wird. Er zieht los, um Zauberer zu werden, kommt zurück, macht die Unterdücker der Familie platt, hat Gewissensbisse und geht in eine Höhle, um die Lehren Buddahs zu erfahren. Einblendung: Teil 2 im Juni 2011.

Ein buddhistischer Harry Potter-Film also. Dem aber jede Magie völlig abgeht. Keine Figur darf schillern, alles wirkt so behäbig und uninspiriert wie in den westdeutschen Märchenfilmen, mit denen man früher der zauberhaften  DEFA-Filmen aus dem Osten Konkurrenz machen wollte.


Der Film Skyline schließlich ist so schlecht, dass ich eigentlich gar keine Zeit damit verschwenden will, über ihn zu schreiben. Schließlich hat der Schrott mir schon zwei Stunden von meiner Lebenszeit geraubt. Aber weil ich mir vorgenommen habe, jeden Film, den ich im Kino sehe, hier zu besprechen, muss ich wohl oder übel einen digitalen Kübel mit Dreck vollmachen und ihn jetzt auskippen:

Das Drehbuch, die Regie und die Effekte in "Skyline" sind von Spcial Effects-Leuten gemacht worden. Und weil die offensichtlich nur aus ihrem Alltag erzählen können, geht es um Special Effects-Leute, die  im schicksten Porno-Loft in L.A. leben. Das Loft verlassen sie den ganzen Film über nicht, weil sie durch das große Parnorama-Fenster beobachten, wie die US Army gegen Aliens kämpft. Und verliert.

Wahrscheinlich sitzen die Effektemacher in Wirklichkeit jeden Tag in einer Büroetage in L.A. und gucken in Computermonitore, in denen sie große digitale Spektakel betrachten. Als sie ein Buch schreiben sollten, dachten sie wohl: "Hey, warum schreiben wir nicht über ein paar Effekt-Typen, die in einer Hochhausetage in L.A. sitzen und durch ein Fenster ein digitales Spektakel beobachten?" Und merkten nicht, dass sie über sich selbst schrieben.
Immerhin bekommen sie das, was sie gelernt haben, sehr gut hin. Also die Effekte.


Fertig.



Buchtipp
Ein Freund hat mir letzte Woche ein Buch empfohlen, das ich auf einer Zugfahrt durchgelesen habe, obwohl das deutsche Cover und der deutsche Titel nach Nicholas Sparks schreien.
"Unser allerbestes Jahr" heißt im Original "The Film Club". Es geht um einen Vater, der seinem Sohn jede Woche drei Filme zeigt (und zwar über drei Jahre hinweg, weswegen der deutsche Schmalztitel noch viel weniger Sinn macht). Der 16-Jährige hat die Schule abgebrochen, und das Filmegucken ist Papas Weg, den Jungen zu bilden, ihm näher zu kommen und ihn zu verstehen.

Da ich bei Vater-Sohn-Geschichten immer schwach werde (wohl auch der Hauptgrund für meine große Star Wars-Leidenschaft), war ich auch von diesem autobiographischen Roman sehr hingerissen. Gleichzeitig macht das Buch unglaublich große Lust auf lange Filmabende und unterrichtet den Leser nebenbei in Filmgeschichte. Was "Sophies Welt" für die Philosophie ist, ist dieses Buch für den Film. Nur mit einer deutlich besseren Handlung.

Hier ein Interview mit den beiden Protagonisten:




Spielberg'sches Ende
Auch diesmal soll das Blogimblog nicht ohne Spielberg auskommen. Hach, was freue ich mich auf Dezember, wenn der Held meiner Jugend zwei Helden meiner Kindheit ins Kino bringt:

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