Samstag, 19. Februar 2011

Berlinale 2011 – Cineastisches Tagebuch in Text und Bild (Bonuscontent)


Seit drei Tagen bin ich zurück aus Berlin. Und während sich zur Zeit mindestens 300.000 Leute über die Berlinale drücken (so viele Tickets wurden jedenfalls verkauft), darf ich endlich wieder in der ruhigen Hobbithöhle (Deckname unserer schnuckligen Kölner Altbauwohnung, deren hohe Decken kaum zum Decknamen passen) sitzen und Geburtstagskuchenduft (nicht mein Geburtstag) in der Nase haben, während ich das hier schreibe.

Ein paar Nachträge zum anstrengenden aber kunterbunten Festival muss ich noch machen, denn eben wegen diversen anstrengenden oder kunterbunten Ereignissen bin ich in Berlin oft einfach nicht zum Bloggen bekommen.
Die meisten Dinge, die im Blog noch keinen Platz hatten, haben den in meinem Gastbeitrag für den exorbitanten Podcast "Medien-KuH" gefunden. Es sei dringend empfohlen, die komplette Folge 71 des Podcasts (und natürlich auch alle anderen Folgen) anzuhören. Hier gibt es die fünf Minuten von mir, die ich zwischen Tür und Angel und in 20 Anläufen in mein iPhone gesprochen habe:



Anonsten muss ich nochmal dringend auf die Brillen zurück kommen. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass auf der Berlinale 3D-Filme eine wichtige Rolle spielen. Und schon öfters habe ich hier im Blog über die 3D-Technik gelästert.

Diesmal will ich das Gegenteil tun. Am Montag habe ich "Pina" gesehen, den Tanzfilm von Wim Wenders über die großartige Pina Bausch. Die Tänze darin sind atemberaubend. Ich bin nicht Pina-Kenner genug, um sie fachmännisch beurteilen zu können. Ich kann nur sagen, dass mich die Choreographien umgehauen haben. Und so habe ich überraschenderweise in diesem Jahr nach "Black Swan" bereits einen zweiten Lieblingsfilm, der mit Tanz zu tun hat.

Der 3D-Effekt in Pina ist absolut überzeugend. Alles sieht scharf aus – selbst beim Es-kommt-etwas-aus-der-Leinwand-Effekt. Offensichtlich hat sich Wim Wenders intensiver als jeder Regisseur vor ihm (außer vielleicht  Jams Cameron) mit der Technik auseinandergesetzt. Im Interview sagt er:
Ich habe "Avatar" wiederholt angesehen und schnell gemerkt, dass die computeranimierten Avatare sich zwar wunderschön elegant bewegten – so wie ich wollte, dass sich unsere Tänzer bewegen sollten. Nur die echten Menschen, die in "Avatar" herumlaufen – denen kann man kaum zugucken. Bewegungen sind einfach nicht rund und flüssig.
Genau die Dinge (außer der Kontrastverlust, der durch die Brille entsteht), die mich an 3D stören, hat Wenders in "Pina" versucht, in den Griff zu bekommen – und es weitgehend geschafft. Um die ruckligen Bewegungen, die bei 3D-Filmen entstehen, zu vermeiden, müssten 3D-Filme eigentlich mit 50  Bildern pro Sekunde abgespielt werden. Allerdings können in Kinos nur 24 Bilder pro Sekunde gezeigt werden. Weil jedes einzelne Bild deutlich schärfer ist als bei einem klassisch gedrehten Film, entsteht so das Ruckeln. Wenders blieb nichts anderes übrig, als mit Hilfe der Trickproduktionsfirma "Das Werk" alle Begweungsunschärfen kleinteilig digital wiederherzustellen.


Das Ergebnis sieht atemberaubend aus. Und ich kann jeden nur empfehlen, ab nächsten Donnerstag das größte und technisch beste 3D-Kino in der Nähe aufzusuchen, sich in der Mitte des Saals zu platzieren und geflasht zu werden.

Hach, allein die gestochen scharfen 3D-Wassertropfen, die von der Leinwand spritzen... 3D hat also doch etwas mehr Zukunft, als ich vor einer Weile noch dachte. Man muss sich beim Drehen nur Mühe geben.

Zum Schluss gibt es noch ein absurdes Foto von der letzten Berlinale-Party, auf der ich war, und auf der hippe Filmleute eine schummerige Schwulenbar zerrockten:


Ja, die Toiletten grenzen tatsächlich direkt an die Tanzfläche an. Da kann man es idealerweise laufen lassen, während man oben nachschüttet. Davon träumt man als Mann ja immer mal wieder heimlich. Doch es dann wirklich durchzuziehen, wenn man plötzlich die Möglichkeit dazu hat, ist eine ganz andere Sache.

Kommentare:

  1. Ich hätte ne frage zu "Pina": Ich will mir den ja mit meiner Freundin ansehen, die so gut wie kein Deutsch spricht. In dem Film kommen doch auch Interview-Sequenzen mit den Tänzern vor, oder? Wie umfangreich sind die und in welcher Sprache?

    (Sind nächste Woche eh in Berlin und werden ihn wahrscheinlich im Cinestar im Sony Center gucken, wo das kein Problem sein sollte, aber ist ja trotzdem nicht ganz unpraktisch, das zu wissen.)

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  2. Der Kern des Films sind die Tänze. Und die funktionieren selbstverständlich in allen Sprachen. Die Interviews machen vielleicht 1/3 des Films aus und sind meistens auf Deutsch, z.T. aber auch auf Englisch. Zum Filmverständnis braucht man sie gar nicht, sie sind auch nie lang – höchstens jeweils eine Minute.
    Zur Zeit gibt es wohl keinen deutschen Film, der leichter für jemanden, der kein Deutsch spricht, verständlich wäre.

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