Samstag, 14. Dezember 2013

Der gruseligste Adventskalender der Saison... #14

Achtung! Diese weihnachtlich-traurige Gruselgeschichte startet bei TÜRCHEN 1!
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TÜRCHEN 14

Lotte war mucksmäuschenstill, als sie ihre in ihre Winterstiefel schlüpfte, ihren Mantel unter den Arm klemmte und ihre Handtasche nahm. Sie ging zur Wohnungstür und drückte die Klinke. Abgeschlossen. Lotte rappelte an der Tür. Doch, wirklich! Sie ist abgeschlossen! Lottes Blick wanderte zum Schlüsselbrett, doch kein Schlüssel hing daran. Sie durchwühlte ihre Handtasche: Handy, Schminkspiegel, Taschentücher, Tampons, ein Kugelschreiber. Kein Schlüssel. Sie klopfte ihren Mantel ab, doch es rasselte nicht, die Taschen waren leer.

Lotte ließ all ihre Sachen fallen, als das nächste Klingeln so laut wie eine kleine Kirchenglocke tönte. KLING KLING KLING KLING! Kinder, kommt herbei! Das Christkind war da!
Dann Stille. Lotte stand inmitten ihrer Sachen und starrte auf die Wohnzimmertür. Das hast du dir nur eingebildet. Das kann nicht sein. Du musst den Wohnungsschlüssel auf den Küchentisch gelegt haben. Manchmal machst du das. Du hast eine Panikattacke oder so gehabt. Aber jetzt ist alles gut. Du gehst in die Küche, nimmst den Schlüssel und verschwindest. Und du wirst sehen, dass hinter der Wohnzimmertür alles in Ordnung ist.
Lotte wusste nicht, wie viel Zeit sie verstreichen ließ. Ihr Atem beruhigte sich, das Klingeln kam nicht wieder. Und je länger Lotte in der Stille stand, umso überzeugter war sie, dass sie sich das Klingeln nur eingebildet hatte. Schließlich fasste sie sich ein Herz und ging energisch auf die Tür zu. Sie drückte die Klinke, stieß die Tür auf und stolperte wie ein Kind ins Zimmer, das es keine Sekunde länger erwarten kann, an seine Geschenke zu kommen. Nur hier würden keine Geschenke sein.

Lotte irrte sich. Als sie im Wohnzimmer zum Stehen kam, sah sie, dass das Christkind da gewesen war. Ein Weihnachtsbaum stand in der Zimmerecke und dominierte den ganzen Raum. Lametta, glitzernde Kugeln. Ein leuchtender Stern schmückten die breite und symmetrische Tanne und kratzte an die Zimmerdecke. Der Baum sah so perfekt aus, wie sonst nur die aus Plastik im Supermarkt. Doch dieser hier war echt. Tannenduft durchströmte den Raum so star, als würde der Baum schon seit Stunden hier stehen. Die brennenden Kerzen standen allesamt gerade und waren exakt lang, keine Flamme flackerte. Die Lichter reflektierten in den unzähligen Paketen, die in Glanzpapier gewickelt unter dem Baum lagen. Eine Weihnachtspyramide drehte sich in der Ecke, der Schatten ihres Propellers wanderte über die Zimmerdecke und sorgte für leichte Film Noir-Stimmung über all dem zauberhaften Lichterglanz.


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